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Untersuchung einer bemerkenswerten mormonischen
Behauptung
Einleitung
Das Institute
for Religious Research hat 2002 ein neues Video zur Buch Abraham
Thematik herausgebracht: "The Lost Book of Abraham: Investigating
a Remarkable Mormon Claim".
In diesem Video werden mehrere namhafte Wissenschaftler interviewt:
Edward H. Ashment, M.A. in Ägyptologie, ehemals Supervisor
of Scripture Translation Research for the Translation Division of the LDS
Church.
Dr. Lanny D. Bell, Professor für Ägyptologie, Brown University
in Providence, Rhode Island.
Dr. Craig L. Blomberg, Professor für das Neue Testament, Denver
Seminary.
Dr. David Crump, Religionsprofessor, Calvin College in Grand Rapids,
Michigan.
Dr. Stan Larson, Kurator of Manuscripts in the Special Collections
department of the Marriott Library at the University of Utah.
Dr. Richard J. Mouw, Präsident des Fuller Theological Seminary
in Pasadena, California.
Dr. Robert K. Ritner, Professor und Lehrbeauftragter für Ägyptologie,
University of Chicago.
Dr. Jan Shipps, Geschichtsprofessorin, University of Indiana-Purdue
University (Emeritus).
Dr. David P. Wright, Professor und Lehrbeauftragter für Ancient
Near Eastern Studies der Brandeis University in Waltham, Massachusetts.
Der folgende Auszug, bzw. Zusammenfassung, stammt aus der Abschrift (Transcript)
des Videos, welche der Öffentlichkeit momentan (09/2002) noch nicht
zugänglich gemacht wird und für den hier dargestellten Zweck
- mit freundlicher Genehmigung - zur Verfügung gestellt wurde.
Das Video kann über das Internet bezogen werden: http://www.bookofabraham.info
Im August und Oktober 2002 wurde das Video öffentlich an verschiedenen
Orten in Utah gezeigt. Eine danach durchgeführte Befragung
der Zuschauer (PDF-Datei) spiegelt die Resonanz wieder. (Acrobat
Reader erforderlich)
Da ich viele Bereiche (Entstehung/Geschichte/Manuskripte) schon in dem hier
verfügbaren Artikel
zum Buch Abraham behandelt habe, werde ich mich auf das Wesentliche, nämlich
die Aussagen der oben genannten Wissenschaftler beschränken. Zum besseren
Verständnis - falls man mit der Problematik noch nicht vertraut ist -,
sollte man daher den Buch Abraham Artikel zuerst lesen. Weiter habe ich Links
zu entsprechenden Passagen eingefügt.
Auszug aus: Übersetzung von altem Ägyptisch
1835 gab es in Amerika niemanden, der altes Ägyptisch hätte übersetzen
können. Das Wissen über die Sprache war für Jahrhunderte verloren,
bis dem französische Gelehrten Jean-Francois Champollion ein Durchbruch
mit dem Stein von Rosetta gelang. Seine Arbeit stand jedoch Smith und seinen
Zeitgenossen nicht zur Verfügung.
Dr. Robert K. Ritner: In
den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts war die alte ägyptische Sprache
in den Vereinigten Staaten praktisch unbekannt. Seine Übersetzung begann
1822 und dieses Wissen gelangte nicht über den Atlantik. Somit gab es
nur wenige, wenn überhaupt welche, in den USA, die zu verstehen in der
Lage gewesen wären, welche Teile eines ägyptischen Dokuments zusammengehört
hätten, was die verschiedenen ägyptischen Sprachen waren, auf welche
Weise man sie liest - von links nach rechts, von oben nach unten. Nichts davon
war bekannt. Daraus resultiert, dass jegliche Interpretation eines ägyptischen
Dokuments im Jahre 1842 oder 45 oder 50 oder sogar 1860 für das allgemeine
Publikum glaubhaft gewesen wäre, das keine Möglichkeit des Vergleichs
mit der tatsächlichen Wahrheit gehabt hat.
Trotzdem behauptete Joseph Smith in seinem Tagebuch etwas tun zu können,
was kein Gelehrter in Amerika zur damaligen Zeit hätte tun können.
Joseph Smith: An diesem
Nachmittag fuhr ich mit der Übersetzung des alten Berichts fort (7. Oktober
1835)
Joseph Smith: Ich kehrte nach Hause zurück und verbrachte den Tag
mit der Übersetzung des ägyptischen Berichts. (19. November 1835)
Dr. Stan Larson: Joseph
Smith sprach in seinem Tagebuch vom Juli 1835 explizit davon, dass er Zeichen
oder Hieroglyphen übersetzt und festgestellt hatte, dass es einmal um
Abraham und einmal um Joseph ging – es gab also ein Buch Abraham und
ein Buch Joseph.
Edward H. Ashment: Er,
mit ein paar seiner Schreiber, begann an einem Alphabet und einer Grammatik
der ägyptischen Sprache zu arbeiten. Und wir haben einige Dokumente davon.
Eines davon wurde von Joseph Smith selbst geschrieben, mit einigen Zusätzen
von Oliver Cowdery, und ein anderes liegt in der Handschrift von William W.
Phelps vor. Und zusätzlich haben wir einige Bemerkungen in der Handschrift
von Warren Parrish.
Auszug aus: Veröffentlichung
Joseph Smith veröffentlichte seine Übersetzung schließlich
in Nauvoo im Jahre 1842. Diese erschien in der Mormonenzeitung "Times
and Seasons".
Es wurde das Buch Abraham genannt. Eine Notiz am Anfang stellte es als "Eine
Übertragung von alten Aufzeichnungen, die aus ägyptischen Grabstätten
stammen und in unsere Hände gelangt sind - Die vorgeben, die Schriften
Abrahams zu sein aus der Zeit, da er in Ägypten war, das Buch Abraham
genannt, von ihm mit eigener Hand auf Papyrus geschrieben" vor.
Das Buch Abraham beinhaltet eine Schöpfungsgeschichte, die sich sehr
von der biblischen Schöpfungsgeschichte in Genesis unterscheidet. Während
die Bibel nur einen schöpfenden Gott erwähnt, eröffnet das
Buch Abraham eine erschreckend neue Idee.
Das Buch Abraham: Und
dann sprach der Herr: Laßt uns hinabgehen. Und sie gingen am Anfang
hinab, und sie, das heißt die Götter, formten und gestalteten die
Himmel und die Erde. (Kapitel 4, Vers1)
Das Buch Abraham: Und die Götter
sprachen bei sich: Zur siebenten Zeit wollen wir unser Werk beendet haben,
wie wir es beratschlagt haben; und zur siebenten Zeit wollen wir ruhen von
all unserem Werk, das wir beratschlagt haben.
Und die Götter machten zur siebenten Zeit Schluß, denn zur siebenten
Zeit wollten sie von all ihren Werken ruhen, die zu gestalten sie (die Götter)
beratschlagt hatten, und sie heiligten die Zeit. Und so waren ihre Beschlüsse
zu der Zeit, da sie miteinander beratschlagten, die Himmel und die Erde zu
gestalten. (Kapitel 5, Verse 2/3)
Dr. David Crump: Judaismus
und das Christentum waren schon immer monotheistische Religionen. Es gibt
einen Gott und einen Schöpfer. Und wenn er einen Rat einberief, dann
war es ein Rat von engelhaften Wesen, die taten, was Er wollte durch seine
uneingeschränkten Autorität.
Auszug aus: Die kritische Verbindung
Nachdem die Papyri 1966 in New York wieder entdeckt wurden, war es notwendig
festzustellen, ob diese Fragmente
dieselben waren, die von Joseph Smith benutzt wurden. Ein erster Hinweis war
das abgerissene
Bild unter den Papyri, dass dem Bild am Anfang des Buches Abraham glich.
Problematisch ist der fehlende Kopf und die fehlende Fortführung der
Hand auf dem Originalpapyrus. Den Kopf ersetzte Smith auf seiner Zeichnung
mit einem Menschenkopf und bei der Hand setzte er ein Messer ein.
Dr. Lanny Bell: Wenn
man den gegenwärtigen Zustand des Papyrus heute nimmt, ihn vor sich legt
oder die Fotografien davon oder was auch immer, und man vergleicht es mit
dem Faksimile 1, dann kann man sehen: wo Faksimile 1 unägyptologisch
wird – also anders, als ein Ägyptologe es erwarten würde –
dann passiert das ziemlich genau da, wo heute der Bruch ist, also der Papyrus
beschädigt ist. Damit gibt es genügend Grund zu der Annahme, von
diesem Standpunkt aus, dass der gegenwärtige Zustand des Papyrus derselbe
ist wie zur Zeit von Joseph Smith.
Dr. Robert Ritner: Wenn
man ein Bild von Madonna und dem Kind nehmen würde und beiden den Kopf
abreißen würde, um diese dann mit einem Hund und einer Katze zu
ersetzen, wäre es genauso offensichtlich für uns, dass dies falsch
wäre, wie das Ersetzen des Schakalkopfes mit einem Menschenkopf auf diesem
ägyptischen Stück, denn wir wissen, wie diese Bilder wirklich aussehen.
Desgleichen wissen wir, dass diese Figuren niemals, unter keinen Umständen,
ein Messer halten würden. Und das ist kritisch für den Text denn
dies ist nicht nur einfach Dekoration, sondern es geht auf den Kern des Textes
zurück. Und wenn man das Messer wegnimmt, nimmt man die Geschichte weg.
Und damit ist klar, dass das Messer dort nichts verloren hat.
Siehe
Interpretation der Faksimile
Das Buch Abraham selbst erwähnt, dass diese Szene am Anfang des Berichts
erschien, mit anderen Worten, am Anfang der Rolle. Ägyptisch liest man
von rechts nach links und Joseph Smith, der zu dieser Zeit Hebräisch
studierte - das man auch von rechts nach links liest - muss dies vermutet
haben.
Dann gab es noch eine andere Entdeckung. Eine Reihe
von Zeichen auf dem zweiten Stück Papyrus, passte direkt zu den Zeichen,
in der linken Spalte des Übersetzungsmanuskriptes.
Als der Ägyptologe Dr. Klaus Baer die Fragmente untersuchte, stellte
er fest, dass dieses zweite Stück einmal mit dem ersten Stück, auf
dem sich das Faksimile befand, direkt verbunden war. Die Fasern und Kanten
passten exakt zusammen.
Ein drittes Stück wurde gefunden, dass den Namen "Horus" enthielt.
Das war der Mann, für den diese Rollen bestimmt waren. Und obwohl das
Original von Faksimile 3 nie gefunden wurde, enthält es trotzdem den
Namen Horus. Zusammen bilden diese vier Stücke so ziemlich die gesamte
Rolle in ihrem Original.
Damit konnten Gelehrte nun den Inhalt der Rolle bestimmen und sehen, ob es
sich tatsächlich um das Buch Abraham handelte.
Im Jahre 2001 übersetzte Dr. Robert Ritner die gesamte Abrahamrolle.
Dr. Robert Ritner: Dieses
Dokument ist in Wirklichkeit ein ausgedehntes Gebet für einen ägyptischen
Priester, welches mit einer Anrufung beginnt, zum Gott der Mumifizierung wahrscheinlich.
Ganz sicher mit einem Bild des Gottes der Mumifizierung, um seine weiterführende
Existenz sicherzustellen, um des Priesters weiterführende Existenz in
der nächsten Welt sicherzustellen. Und dann fährt es mit einigen
Aussagen fort: 'Oh, göttlich verehrter Horus, mögest du gehen, wie
du es in diesem Leben getan hast, mögen deine Ohren hören, mögen
deine Augen sehen, mögen die Götter dich empfangen.' Lange Serien
von Anrufungen zu diesem Thema. Um wesentlich sicherzustellen, dass der tote
Priester im Tot in der Lage sei, so zu sein, wie im Leben aber nun als Teil
einer Gesellschaft von alten ägyptischen Göttern. Abraham wird nicht
ein einziges Mal erwähnt.
Dr. Lanny Bell: Uh,
von den Beweisen ausgehend, die wir heute haben, kann man sicher sagen, dass
Joseph Smith nicht das Buch Abraham oder das Buch Joseph vor sich hatte, in
Form der Papyri, denn diese haben keinen Bezug zum Inhalt dieser Geschichten
oder seiner Übersetzung.
Auszug aus: Mormonische Verteidiger
Das Institut for Religious Research wollte eine offizielle Aussage
von der Kirche heute bekommen, doch der Bitte eines Interviews wurde nicht
nachgekommen. Man verwies auf ein Buch des mormonischen Ägyptologen und
Apologeten
John Gee: A Guide to the Joseph Smith Papyri.
Dr. Gee behauptet darin, dass die gefundenen Papyri deswegen nicht den Buch
Abraham Text enthalten, weil dieser sich auf fehlenden Fragmenten befinden
soll. Er behauptet weiter, dass die ursprüngliche Rolle einmal ungefähr
10 Fuß (~3,15m) lang gewesen sei.
Dr. Robert Ritner: Es
gibt sicherlich keinen Grund dafür, warum dieses spezielle Buch (Rolle)
der Atem, länger als das sein sollte, was erhalten geblieben ist. Ich
habe nun das gesamte Dokument von Anfang bis Ende gelesen und habe herausgeholt,
was man trotz der schlechten Qualität der letzten Vignette herausholen
kann. Es fehlen hier allenfalls zwei Spalten ägyptisches Hieratisch.
Und möglicherweise noch ein kleines Bild. Aber sonst gäbe es nichts,
was seine jetzige Größe aufblähen sollte. Es ist sowohl unvernünftig
als auch beispiellos anzunehmen, dass ein unetymologischer Text, mit einem
völlig anderen Thema - eine erzählte Geschichte von Abraham und
seinen Nachfahren - in ein Dokument eingefügt worden wäre, dessen
Anfang, Mitte und Ende speziell der Auferstehung eines ägyptischen Priesters
gewidmet wurde. Dies würde das Dokument zerreißen. Es würde
nichts mit seinem Inhalt gemein haben. So etwas wäre beispiellos und
kein anderes Dokument würde so etwas vorweisen. Und der erzählende
Stil des Buches Abraham entspricht nicht der ägyptischen Ausdrucksweise.
Es gehört nicht zu den Dingen, die Ägypter sagen würden und
sie würden es nicht auf diese Weise sagen. Und es würde sicherlich
nicht in solch einem Zusammenhang erscheinen. Es ist fast unmöglich,
noch weiter daneben zu liegen.
Michael D. Rhodes, ein anderer mormonischer Gelehrter an der BYU, behauptet,
dass Joseph Smith das Buch Abraham durch direkte Offenbarung erhalten haben
könnte und dass er die Papyri nur dazu benutzte um darzustellen, was
er durch die Offenbarung gelernt hatte.
Dr. Stan Larson: Heutzutage
scheint die Aussage üblich zu sein , nun, Joseph Smith behauptete nicht,
er würde übersetzen, sondern er sah nur die Darstellungen und war
dann mit dem Text des Buches Abraham inspiriert. Aber es heißt nicht
in seinen Tagebüchern, die er zu dieser Zeit führte, dass er auf
die Bilder oder Darstellungen schaute und dann inspiriert gewesen sei, eine
Geschichte wiederzugeben, die wir heute als das Buch Abraham kennen, sondern,
dass er die Zeichen übersetzte...
Dr. Stan Larson: Es scheint klar
- es scheint nicht nur klar, es ist eindeutig von den Aussagen her - dass
er die Übersetzung von den Zeichen oder Hieroglyphen vornahm.
Michael D. Rhodes behauptet auch, dass die Erklärungen, die Joseph Smith
zu den Faksimile
gab, richtig seien und dem gegenwärtigen Verständnis von Ägyptisch
entsprächen.
Dr. Robert Ritner: Ich
möchte dies absolut klarstellen. Es gibt einfach keinerlei Rechtfertigung
für die Interpretationen, die in Faksimile 1 oder Faksimile 3 erscheinen.
Diese sind in Anbetracht der Hieroglyphen falsch. Sie sind in Anbetracht der
Person falsch. Sie sind in Anbetracht des Verständnisses falsch, was
die Szene in Wirklichkeit repräsentiert. Und wo sie im Text benutzt werden,
sind sie auch falsch. Um es kurz zu sagen, es gibt keine historische Gültigkeit
für die Interpretation des Buches. Gar keine.
Dr. Lanny Bell: Man
kann keine Diskussionen dieser Art über diesen Satz Faksimile außerhalb
finden, jeder Ägyptologe wird es auf die gleiche Weise diskutieren.
Dr. Stan Larson: Aber
das Interessante an der Sache ist, dass keine dieser Theorien in der Kirche
existierten, niemand dachte darüber nach, bis nach der Zeit im November
1967, als die Leute mit neuen Erklärungen kamen.
Dr. David Wright: Wenn
jemand auf diese Beweisen mit gesundem Menschenverstand sieht, wird klar,
dass Joseph Smith behauptete, dass er von diesen Dokumenten übersetzte.
Aber es gibt in der Tat keinerlei Bezug zwischen dem Buch Abraham und diesen
alten Dokumenten. Und daher wurde es einfach nicht übersetzt. Alle anderen
Erklärungen kamen auf, um, sagen wir einmal, den Finger in den Deich
zu stecken, um den Deich vor dem Zusammenbruch zu bewahren. Aber es gibt den
eindeutigen Beweis, dass Joseph Smith das Dokument [das Buch Abraham] nicht
übersetzte. Es ist kein Dokument aus dem Altertum.
Das Institute for Religious Research wollte auch ein Interview mit
den Spezialisten für das Buch Abraham von der Foundation for Ancient
Research and Mormon Studies (F.A.R.M.S) aber es gab auf wiederholte Anfragen
keinerlei Reaktionen.
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