Die Übersetzungsarbeit ging so voran, wie es die Zeit
erlaubte und zwar mit dem Teil, der als die Aufzeichnungen Abrahams benannt
wurde.6
Joseph Smith hatte den Schreibern von Anfang an offenbart,
dass es sich bei dem Papyrus um eine erweiterte Version des Genesisberichts
vom Leben Abrahams handele und das Mose sich bei seinem Bericht auf diesen
bezog.8
Dies würde bedeutet, dass der Abraham
Papyrus ca. 500 Jahre älter sein müsste, als das erste Buch
in der Bibel, da Abraham ca. 2000 v. Chr. lebte und Mose etwa um 1440 v. Chr.
Dies lässt sich auch daran erkennen, was in der heutigen Einleitung zum
Buch Abraham steht:
Also hatte Abraham diesen Bericht selbst in Ägyptisch
auf das Papyrus geschrieben. Die Schreiber des Propheten füllten beinahe
zehn Manuskriptseiten mit den Übersetzungen, die in einer Spalte rechts
neben den handschriftlich dargestellten Hieroglyphen standen (siehe Abbildungen
zum Buch Abraham).
Die Übersetzung fand in zwei voneinander getrennten
Perioden statt, mit einer Unterbrechung von mehreren Jahren10,
wobei einige offene Fragen, in bezug auf neue und von vielen in Frage gestellten
Lehren des Propheten, mit dem Inhalt des Buches beantwortet wurden. Demnach
war es eine Sensation, als die erste Veröffentlichung in Times and
Seasons im März 1842 erschien. Nach dem Tod Joseph Smiths spaltete
sich die Kirche in diverse Gruppierungen, von denen die größte
die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ist. Während
andere das Buch Abraham und die damit verbundenen Lehren (Priestertum, Vorherdasein,
Ewiger Fortschritt, u.a.) verwarfen, hielten die Anhänger Brigham Youngs
daran fest, war es doch die Grundlage für viele, wichtige Lehren der
Kirche (und übrigens auch die einzige Quelle, die besagt, dass Schwarze
kein Priestertum empfangen dürfen. Siehe Kapitel 1:21,26,27).
1880 wurde das Buch Abraham in einer halbjährigen Generalkonferenz
offiziell in den Kanon der Heiligen Schriften der Kirche integriert und bestätigt.
Seither ist das Buch ein genauso wichtiger Bestandteil der Lehre der Heiligen,
wie zu Zeiten Joseph Smiths. Bruce R. McConkie erwähnt dazu:
1856, etwa fünf Jahre nachdem die Köstliche
Perle in England gedruckt wurde, gelangte ein Exemplar davon in das
Louvre nach Paris. Dort wurden die Faksimile,
zusammen mit den Erklärungen von Joseph Smith von Theodule Deveria untersucht,
der selbst einer der Pioniere in dem Gebiet der Ägyptologie war. Er wurde
gebeten, einige Kommentare dazu zu geben.
Leider war Präsident David O. McKay zu dieser Zeit alt
und sehr krank und daher nicht in der Lage, eine solche Arbeit zu tun. Die
Mitglieder waren zunächst enttäuscht, als die übrigen Brüder,
die ja alle gemeinsam die selben Schlüssel inne hatten, die Papyri an
die besten Gelehrten der BYU weiterreichten. Vor einer wissenschaftlichen
Analyse, wäre die Aussage eines Sehers über die Authentizität
und den Inhalt der Papyri sicher interessant gewesen. Doch die Erwartung einer
großen Entdeckung ließen die Enttäuschung bald schwinden.
Diese Abbildung zeigt einen Teil der Papyri, die vom Buch
Abraham stammen sollen.
Bekannt als Papyri I und XI. Alle elf Fragmente der Papyri
wurden im Februar 1968 in der Improvement Era abgebildet, die etwas
1/3 der von Joseph Smith besessenen Papyri ausmachen sollen. Der Glaube der
Mitglieder erfuhr eine enorme Stärkung durch diese Veröffentlichung.
Bis 1965 dann eine Kopie des Mikrofilms der Dokumente aus
den Archiven der Kirche geschmuggelt und an Jerald und Sandra
Tanner weitergegeben wurde, die diese ans Licht brachten. Die Untersuchung
des Materials von professionellen Ägyptologen ergab, dass die Arbeiten
in keinster Weise etwas mit korrektem Verständnis der ägyptischen
Sprache zu tun hatten. I.E. Eduards bemerkte, dass die gesamte Arbeit im
ganzen ein Stück Phantasie sei und in jeder Hinsicht an wissenschaftlichem
Wert mangelt21.
Gegenwärtig gibt es vier bekannte originale Buch-Abraham-Manuskripte.
Darunter die beiden, die als Alphabet und Grammatik bekannt sind
Zehn Seiten lang und enthält die Übersetzung von
Abr. 1:1 2:2. Enthält Teile des Manuskripts 3. Linke Spalte ägyptische
Zeichen, rechte Spalte Übersetzung Joseph Smiths mit Handschrift seines
Schreibers.
Gehört zu Alphabet und Grammatik. Vier Seiten lang und
enthält die Übersetzung von Abr. 1:4 2:6. Linke Spalte ägyptische
Zeichen, rechte Spalte Übersetzung Joseph Smiths mit Handschrift seines
Schreibers.
Gehört zu Alphabet und Grammatik. Sechs Seiten lang
und enthält die Übersetzung von Abr. 1:1 2:2. Linke Spalte
ägyptische Zeichen, rechte Spalte Übersetzung Joseph Smiths mit
Handschrift seines Schreibers.
Vierzehn Seiten lang. Enthält die Übersetzung von
Abr. 1:1 2:18 und 3:18 3:26. Beinhaltet keine ägyptischen
Zeichen. Dies ist wahrscheinlich der Text, der 1842 in der Times and Season
gedruckt wurde. Abbildung 4.2.2 zeigt Seite vier des Manuskripts 1.
Bislang konnte nur das Faksimile 1 auf Papyrus I als Hinweis
auf das Original des Buches Abraham gewertet werden (Abbildung ganz oben).
Doch wie sah es mit den Texten aus? Nach eingehenden Untersuchungen stellt
man plötzlich fest, dass die Reihenfolge der Hieroglyphen auf Papyrus
XI mit der Reihenfolge derer auf den Manuskripten übereinstimmte. Man
hatte nun zumindest einen Teil der ursprünglichen Quelle des Textes auf
einem der Papyri gefunden!
Abbildung
der vier Manuskripte
Dies ist aber nicht der einzige Beweis dafür, dass es
sich um das Original handelt. Dr. Klaus Baer, von der University of Chicago,
stellte bei seinen Studien fest, dass die beiden Papyri I und XI (Abbildung
4.2.1) einst zusammengehörten und Teil einer größeren Rolle
waren und nicht einfach willkürlich auf das Papier geklebt wurden. Diese
Annahme wurde durch eine physikalische Analyse bestätigt. Somit waren
die Papyri einmal zusammenhängend an einem Stück.22
Diese Feststellung passt in die Bemerkung im Buch Abraham
selbst, wo es heißt:
...und damit man Kenntnis habe von diesem Altar,
will ich auf die Darstellung zu Beginn dieses Berichts verweisen. 23
Und weiter:
Damit man eine Vorstellung von diesen Göttern
hat, habe ich in der Abbildung am Anfang [des Buches] ihr Aussehen angegeben...
24
Um die Bedeutung ganz erfassen zu können, muss man sich
vor Augen halten, dass die ägyptische Sprache, im Gegensatz zu Deutsch
oder Englisch, genauso wie Hebräisch, von rechts nach links gelesen wird.
Somit erscheint am Anfang die erwähnte Darstellung und anschließend
der Text.
Somit steht fest, dass sowohl Papyrus I mit dem Faksimile
Nr. 1 und Papyrus XI (Kleines Sensen Papyrus) ein Teil der Quellen für
das Buch Abraham waren.
Die Papyri werden identifiziert
Folgende Anforderungen waren nun erfüllt, um die Wahrheit über die
Papyri ans Licht zu bringen und den Widerstreit zwischen Kritikern und der
Kirche zu beenden:
1. Die ägyptische
Sprache wurde entziffert
2. Die Originalpapyri wurden gefunden und standen für Studien bereit
3. Die Übersetzungsmanuskripte
lagen vor und konnten mit bestimmten Fragmenten in Zusammenhang gebracht werden.
4. Durch Alphabet und Grammatik lag die Art und Weise der Übersetzung
des Propheten vor.
Innerhalb der Kirche musste man entscheiden, wie man verfahren
sollte. Da es in der Kirche keinen qualifizierten Ägyptologen gab, wurde
von Dr. Sperry und Dr. Clark (BYU) Dr. John A. Wilson von der University of
Chicago empfohlen. Doch die Kirche zögert damit, einen nichtmormonischen
Gelehrten mit der Arbeit zu betrauen.
So fiel die Verantwortung Ende 1967 zunächst auf Dr.
H. Nibley, einem brillanten Sprachwissenschaftler der Kirche, der auch schon
etliche Bücher als Antwort auf viele Kritiken gegenüber der Kirche
geschrieben hatte25.
Dr. Nibley war jedoch kein Ägyptologe, wie er selbst
bemerkte, obwohl er schon in Chicago begonnen hatte, sich mit der Sprache
zu befassen. Doch unter den Sprachen stellt Ägyptisch eine Besonderheit
dar und Dr. Nibley fühlte sich unqualifiziert, alleine an die Arbeit
zu gehen.
In einem Brief, vom 27. Juni 1967, also ein halbes Jahr vor
der offiziellen Veröffentlichung der Papyri!, wendet sich Dr. Nibley
an einen Ältesten der Kirche namens Dee Jay Nelson, der sich seit über
zwanzig Jahren mit der Sprache vertraut gemacht hatte und bittet ihn um Hilfe
bei dem Unterfangen26.
Aus dem Brief geht auch hervor, dass die Autoritäten
der Kirche schon einige Zeit vor der Veröffentlichung im November 1967,
von der Existenz der Papyri wussten.
Dee Jay Nelson willigte ein und im Januar 1968 machten sich
beide an die Übersetzungsarbeit. Überzeugt von Nelsons Qualifikation,
sandte Nibley ihn mit einer Empfehlung zu Apostel N. Eldon Tanner nach Salt
Lake, wo Nelson eine Serie von Fotografien erhalten sollte, die nur zu Kirchenzwecken
verwendet werden durften.
Nelson entdeckte die Verbindung zwischen Papyrus I (Faksimile
1) und Papyrus XI und deren Zusammenhang mit dem Buch Abraham (wie oben beschrieben).
Am Ende seiner Arbeit angelangt, wurde Nelson von etwas irritiert: Keines
der genannten Papyri enthielt das Buch Abraham und mehr noch, es gab nicht
einmal den entferntesten Hinweis darauf. Die Papyri waren schlicht einfache
Totendokumente, die nach 500 v. Chr. Geschrieben wurden, nicht mehr und nicht
weniger. Nelson gab seine Resultate an die Kirche weiter und sandte Kopien
an Dr. Nibley und Elder Tanner. Die Kirche verweigerte jedoch eine Publikation
der Arbeiten und wollte diese erst prüfen lassen, was Nelson nicht akzeptieren
wollte27.
Dr. Nibley nannte die Arbeit von Nelson hingegen ein
gewissenhaftes und mutiges Stück Arbeit.28
Von Seiten anderer Mitglieder der Kirche jedoch wurde seine Arbeit und seine
Person angegriffen. Dies nicht allein deswegen, weil Nelson begonnen hatte
eine eigene Publikation herauszugeben und letztlich wegen seiner Entdeckungen
mit samt seiner Familie den Glauben an die Kirche verlor und diese verließ.
Zur selben Zeit veranlassten die Herausgeber einer inoffiziellen
Kirchenzeitschrift, dass die Papyri von unabhängigen, renommierte Ägyptologen
untersucht werden sollten. Dr. John A. Wilson (University of Chicago), Dr.
Klaus Baer (University of Chicago) und Prof. Richard Parker (Brown University)
bestätigten alle, dass die Papyri nichts anderes als Grabtexte seien
und lieferten ihrerseits Übersetzungen des Papyrus XI (Kleines Sensen
Papyrus), von dem ein Teil der Übersetzung des Buches Abraham stammt.
Dr. Nibley begann zu dieser Zeit eigene Wege zu gehen und
entwickelte etliche Theorien, wie das Buch Abraham anders als das Resultat
einer Übersetzung zustande gekommen sein könnte. In
einem Artikel sagte er:
Heute behauptet niemand mehr, dass Joseph Smith
seine Informationen durch normale Kanäle von Gelehrten erhalten hat.
In diesem Fall mag man sich fragen, wie das normale Überprüfen
durch die Kanäle von Gelehrten uns sehr weit bringen kann.
29
Und obwohl Nibley sich von den wissenschaftlichen Ergebnissen
distanzierte, lieferte er nie eine eigene Übersetzung der Papyri.
Die Papyri näher betrachtet
Um das ganze nicht zu umfangreich zu machen, hier eine kurze Zusammenfassung
der Inhalte der einzelnen
Fragmente.30.
Dr. Baer, vom Orientalen Institut von Chicago, identifizierte alle elf Fragmente
als Teile von drei bekannten, ägyptischen Papyrusdokumenten31:
1. Buch des Atmens (Book of Breathings), auch bekannt
als Shait en Sensen. Gefunden in Papyrus I, X und XI.
2. Buch der Toten (Book of the Dead) für die
Dame Amon-Re Neferirnub. Gefunden in Papyrus IIIA und IIIB.
3. Buch der Toten (Book of the Dead) für die verstorbene
Tshenmin (Ta-Shert-Min). Gefunden in Papyrus II, IV, V, VI, VII, VIII und
XI.
Hier ein Auszug der beiden Papyri, von denen Teile der Übersetzung
entnommen wurden:
Papyrus I
Eröffnungsteil des Shait en Sensen Buches mit
dem bekannten Faksimile
Nr.1. Es handelt sich um einen späten, abgekürzten Beerdigungstext,
der vom Buch der Toten stammt. Er enthält eine Reihe magischer
Aussagen, die vom Geist des Leichnams nach seiner Beerdigung vorgetragen werden
soll, um für das Leben danach vorbereitet zu werden und stammt aus der
Zeit zwischen 50
v. Chr. und 50 n. Chr. Eine komplette Übersetzung ist vorhanden32.
Papyrus XI
Dieses Fragment war ursprünglich mit dem Fragment I
verbunden und enthält die Hieroglyphen, von denen übersetzt wurde.
Es stammt aus dem 1
Jahrhundert n. Chr.
Eröffnungsteil des Shait en Sensen aus dem ersten
Jahrhundert, das für Hor einen verstorbenen Priester des ägyptischen
Gottes Amon gemacht wurde. Enthält magische Sprüche und Instruktionen
dazu. Komplette Übersetzung vorhanden33.
Die Inhalte der anderen Papyri können in weiterer Literatur
eingesehen werden. Die Ausführung würde hier zu weit gehen34.
Zum Buch
Joseph, welches von Joseph Smith nicht übersetzt wurde,
sei gesagt, dass es sich hier um das Buch der Toten für die Dame
Tshenmin (Ta-Shert-Min) handelt35.
Vergleich der Übersetzungen
und Interpretationen
Interessant ist nun Übersetzungen einmal im direkten Vergleich zu betrachten.
Dazu dienen folgende Abbildungen vom Papyrus
XI im Vergleich zu Manuskript Nr. 1. In der Abbildung sieht man sehr schön
die ersten vier Zeilen mit den Hieroglyphen, die genau in der Reihenfolge
auch auf den Manuskripten der Übersetzung von Joseph Smith zu finden
sind.

Hier nun die Gegenüberstellung der Übersetzung
mit den ersten vier Zeichen. Weitere können natürlich eingesehen
werden 36.
Siehe auch: Die komplette Übersetzung
von Papyrus XI.
Richtige Übersetzung Joseph Smith Übersetzung Buch Abraham
Nachdem diese Übersetzungen ans Licht der Öffentlichkeit
gelangten, war die Enttäuschung unter den Mitgliedern groß und
man musste die Haltung gegenüber der Übersetzung neu formulieren.
Dr. Nibley schrieb dazu:
..dachte er [Joseph Smith] wirklich, dass er übersetzen
würde? Wenn ja, handelte er in gutem Glauben. Aber übersetzte
er wirklich? Wenn ja, geschah es durch einen Vorgang, der dem Verstand des
Spezialisten fremd ist und im Reich des Unergründlichen liegt...37
Und die Enzyklopädie des Mormonismus sagt:
...die Übersetzung ins Englische des Textes
des Buches Abraham, geschah eher durch göttliche Inspiration, als durch
sein [Joseph Smith] Wissen über Sprachen. Seine genaue Methode bleibt
unbekannt.38
Auch die Interpretation der Faksimile
ist eine Betrachtung wert. Da das Fragment von Faksimile 1 anscheinend unvollständig
war (siehe Abb. 4.2.1) musste Joseph Smith es ergänzen. Man betrachte
auch hier die Unterschiede zwischen der Ergänzungen der Ägyptologen
und derer von Joseph Smith.
Joseph Smiths Interpretation aus der Köstlichen Perle:
1: Der Engel des Herrn
2: Abraham auf einem Altar festgebunden
3: Der Götzendiener von Elkena versucht Abr. zu opfern
4: Der Altar des Opferns; steht vor den Götzen von Elkena, Libna, Mamakra
Korasch und Pharao
5: Der Götze von Elkena
6: Der Götze von Libna
7: Der Götze von Mamakra
8: Der Götze von Korasch
9: Der Götze von Pharao
10: Abraham in Ägypten
11: Dies stellt die Säule des Himmels dar, wie die Ägypter sie sich
vorstellen
12: raqia, das bedeutet Weite oder das feste Gewölbe über uns.......39
Interpretation der Ägyptologen:
Das Bild zeigt die mystische Einbalsamierung und Auferstehung
von Osiris,
dem ägyptischen Gott der Unterwelt. Osiris wurde von seinem eifersüchtigen
Bruder Set erschlagen, der seinen Körper in 16 Stücke zerschnitt
und zerstreute. Aber Isis,
die geliebte Frau von Osiris, sammelte die Stücke geduldig auf und fügte
sie zusammen. Der schakalköpfige Gott Anubis
wird gezeigt, wie er den Körper von Osiris einbalsamiert auf der traditionellen
löwenköpfigen Liege, damit er zum Leben zurückkehren kann.
Osiris hält eine seiner Hände über den Kopf, die Handfläche
nach unten, als Zeichen von Gram, während seine Seele oder ba, als ein
menschenköpfiger Vogel gezeigt, dabei ist in seinen Körper
zu fahren. Isis hat in der Zwischenzeit die Form eines Falkens angenommen
und schwebt über der Lende von Osiris, der seinen Phallus (ithyphallische
Zeichnung) in Erwartung des fortpflanzenden Aktes hält, der Isiris mit
deren Sohn Horus schwängern soll. Die vier
Söhne des Horus werden als die Köpfe der vier kanoptischen Krüge
unter der Liege gezeigt deren Namen sind Amset, Hapi, Duamutef und
Qebehsenuef. Vor der Löwenliege steht eine Trankopferplattform mit Wein,
Ölen und einer modischen Papyruspflanze. Im Vordergrund ist ein Becken
mit Wasser, welches vorne mit Steinen begrenzt ist und in dem der Krokodilgott
Sobek
schwimmt. In der ägyptischen Beerdigungsliteratur wird der
Verstorbene tatsächlich Osiris und man verweist auf ihn als der
Osiris Hor (Hor ist die tatsächlich beerdigte Person)40.
Diese Gegenüberstellung zeigt gravierenden Unterschiede
die auch auf die Faksimile Nr. 2 und Nr.3 aus der Köstlichen Perle zutreffen.
Eine detaillierte Untersuchung aller Faksimile ist auf dieser Site zu finden:
Die
Faksimile des Buches Abraham 41.
Erklärungsversuche
Vor 1967 war die Haltung der Kirche, bezüglich der Herkunft des Buches
Abraham, eindeutig. Abraham schrieb einen Bericht seiner Erfahrungen in Ägypten
persönlich und illustrierte diesen. Dieser Bericht wurde bewahrt, um
dann vom Propheten Joseph Smith durch eine göttliche Gabe übersetzt
zu werden. Nach den Entdeckungen der Papyri gab es wenigstens unter
den Gelehrten der Kirche etliche Versuche, Erklärungen zu finden.
Hier einige Beispiele:
Die Abrahampapyri waren nicht vorhanden Theorie
Diese Meinung besagt, das die gefundenen Papyri zwar Teile
der gesamten Papyri sind, aber diejenigen, von welchen der Text übersetzt
wurde, nicht vorhanden sind. Diese Meinung wird in bekannter Kirchenliteratur
auch heute noch vor den Mitgliedern vertreten. In dem Buch Seine Kirche
wiederhergestellt liest man folgendes:
..Das geschah am 27. November 1967 [Rückgabe
der Papyri]. Die Papyri, von denen das Buch Abraham übersetzt worden
war, waren aber nicht dabei.42
Die ganze Abhandlung in diesem Buch über das Buch Abraham
sagt nichts über oben angeführten Problematiken aus. Mit keinem
Wort wird dem Leser etwas über die Untersuchungen der Ägyptologen
gesagt und es werden auch keine Bilder der Originalpapyri gezeigt. Das Faksimile
Nr. 1 wird dargestellt und trotz der gravierenden Unterschiede zu den Interpretationen
der Ägyptologen, als wahr und richtig angenommen. Den meisten Lesern
wird die Erklärung damit auch genügen, da man ja keinerlei Vergleich
hat. Die oben angeführten Fakten zeigen jedoch eindeutig, dass die Papyri,
von denen das Buch Abraham übersetzt wurde, dabei waren. Es ist ein trauriges
Resümee wenn man erkennt, wie mit der Gutgläubigkeit der Mitglieder
umgegangen wird. Die Grundlage für diese Theorie ist wohl die folgende:
Die Fehlende schwarze und rote Rolle Theorie
Basiert prinzipiell auf der selben Grundlage, wie die oben
genannte, geht jedoch genauer auf die Papyri ein. Die Grundlage der Argumentation
findet sich in der History of the Church. Dort liest man:
Der Bericht von Abraham und Joseph, der mit den
Mumien gefunden wurde, ist wunderschön auf Papyrus geschrieben, in
schwarz und ein kleiner Teil in rot, mit Tinte oder Farbe, vollkommen erhalten.
43
Da das Sensen Papyrus (Papyrus XI) weder schön geschrieben
noch vollkommen erhalten ist, noch rote Tinte oder Farbe enthält, wurde
schnell angenommen, dass es hier noch weitere Papyri geben muss, die bei dem
Fund 1967 nicht dabei waren und von denen das Buch Abraham stammen muss. Hugh
Nibley erklärte dazu in seinem Artikel Judging and Prejudging the
Book of Abraham, dass Joseph F. Smith, der Neffe von Joseph Smith, 1906
einmal davon berichtete, wie sein Onkel die gesamten Papyri auf dem Fußboden
ausbreitete und Notizen machte. Nibley führt dabei an, dass die nun vorhandenen
elf Fragmente gerade mal auf einen kleinen Tisch passen würden und dass
damit das Fehlen anderer Teile offensichtlich sei. Die angeführte Theorie
war damit geboren.
Sprich, es musste außer den genannten Rollen noch weitere
Rollen gegeben haben, denn der Überrest der vorhandenen beiden Rollen
wurde ja bereits identifiziert, nämlich als Das Buch des Atmens
und Das Buch der Toten (wie oben beschrieben). Untersuchen wir diese
Behauptung im Detail:
Zum oben angeführten Zitat aus der History of the
Church, welches Joseph Smith zugeschrieben wird, räumt B.H. Roberts
ein paar Seiten weiter hinten ein, dass diese Aussage ursprünglich aus
einem Brief von Oliver Cowdery stammt, der im Messenger and Advocate
abgedruckt wurde (siehe Fußnote 33) und dem Propheten sozusagen in den
Mund gelegt wurde. Cowdery wiederum entnimmt seine Aussage einem Plakat, das
von Michael Chandler stammt. Das Plakat beinhaltet Aussagen über das
Erscheinungsbild der Papyri und zwar als ganzes, nicht der einzelnen Rollen.
Aus den Berichten von Zeitzeugen wird klar, dass die Kirche
immer nur im Besitz von zwei Rollen war und zusätzlich noch zwei oder
drei kleinere Stücken mit astronomischen Berechnungen und Grabschriften
besaß. Wir lesen wieder in der History of the Church:
Am 3. Juli kam Michael H. Chandler nach Kirtland,
um einige ägyptischen Mumien auszustellen. Da waren vier menschliche
Figuren, zusammen mit zwei oder mehr Papyrusrollen ....44
Und,
Bald danach kauften einige der Heiligen in Kirtland
die Mumien und die Papyri...und gemeinsam mit W.W.Phelps und Oliver Cowdery
als Schreiber, begann ich die Übersetzung....und sehr zu unserer Freude
sahen wir, dass eine der Rollen die Aufzeichnungen Abrahams und eine
andere die Aufzeichnungen Josephs aus Ägypten enthielt...45
Bevor man nun schlussfolgert, dass zwei oder mehr bedeuten,
dass es noch andere Rollen gab, sollten wir die Aussagen von Oliver Cowdery
aus dem Messenger an Advocate weiter verfolgen:
Zum Thema des ägyptischen Berichts, oder
besser die Aufzeichnungen von Abraham und Joseph, möchte ich folgendes
sagen. Dieser Bericht ist wunderschön auf Papyrus geschrieben mit schwarz,
und ein kleiner Teil rot, Tinte oder Farbe, vollkommen erhalten.
Cowdery führt damit an, dass der gesamte ägyptische
Bericht, nicht nur ein Teil davon, die Aufzeichnungen Abrahams und Josephs
sind. Und weiter:
Beim Öffnen der Särge entdeckte er,
dass in Verbindung mit zweien der Körper etwas zusammengerollt war,
mit der selben Art von Leinen, gesättigt mit dem selben Bitumen, welches
sich nach einer Untersuchung als die zwei Rollen Papyrus herausstellten,
die vorher erwähnt wurden. Ich möchte hinzufügen, das zwei
oder drei andere Papyrusstücke, mit astronomischen Berechnungen, Grabschriften,
usw. bei anderen Mumien gefunden wurden.
In einer Nachschrift zu diesem Brief fügt er an:
Sie werden durch das Vorangegangene verstehen,
dass zu der Zeit, von der ich gesprochen habe, elf Mumien aus den Katakomben
entnommen wurden und es wurde nichts definitives über deren Verkauf
gesagt. Ich möchte jedoch mit Richtigkeit einige Worte hinzufügen.
Sieben der genannten Elf wurden von Herren für private Museen gekauft,
noch vor dem Besuch von Mr. Chandlers an diesem Ort, mit einer kleinen Menge
von Papyri, die den astronomischen Abbildungen auf den gegenwärtigen
zwei Rollen ähneln, von denen ich vorher gesprochen habe, die
übrigen vier [Mumien] von Herren hier wohnhaft [Kirtland].46
Durch diese Aussagen von Oliver Cowdery wird eindeutig klar,
dass es sich nur um zwei Rollen gehandelt hat zusammen mit einigen
Fragmenten astronomischen Inhalts (ähnlich wie in Faksimile Nr. 2). Diese
zusammen ergeben die zwei oder mehr Rollen, von denen gesprochen wurde.
Weiterhin sei hier erwähnt, dass das so genannte Buch
Joseph, also das Buch der Toten für Ta-shert-Min, durchaus auf Beschreibung
der History of the Church passt. Diese Papyri (IV,
V, VI, VII, VIII) sind in gutem Zustand, schön geschrieben und ein
kleiner Teil davon in roter Tinte oder Farbe, wie man den gefundenen Papyri
leicht entnehmen kann. 47.
Und letztlich sei nochmals darauf hingewiesen, dass die Originalmanuskripte
(Abb. oben) die ersten vier Zeilen des kleinen Sensen Papyrus (Papyrus XI)
samt der Übersetzung von Joseph Smith enthalten.
Trotz der angeführten Fakten,
zog diese Theorie weite Kreise innerhalb der Kirche. Z.B. im 1988 Ensign,
in einem Artikel von Michael D. Rhodes und die Encyclopedia of Mormonism
(1992) erwähnt auch, dass die Quellen für das Buch Abraham bei der
Entdeckung nicht vorhanden waren. Eine wachsende Zahl von Gelehrten kann die
fraglichen Anführungen Nibleys jedoch nicht akzeptieren und lehnt die
Theorie ab48.
Die Versteckte Bedeutung Theorie
Diese Theorie besagt, dass der ägyptische Text mehr
als nur eine Bedeutung hat. Es gibt eine direkte Bedeutung, die von den Gelehrten
durch sprachwissenschaftliche Übersetzung direkt übernommen werden
kann und eine geheime Bedeutung, die nur durch Hilfe des Urim und Thummim
oder des Sehersteines von Joseph Smith ans Licht dringt. Dr. Nibley
schrieb:
...es gibt oft Texte mit doppelter Bedeutung ...
es ist durchaus möglich, dass das 'Sensen-Papyrus' [Papyrus XI] geradewegs
so eine kleine Geschichte erzählt und einen völlig unterschiedlichen
Text verborgen hält ... sie [die Ägypter] wissen, was sie tun,
aber wir nicht. Wir haben den Schlüssel nicht.49
Für eine Zeit war dies für viele eine plausible
Erklärung. Sie lässt sich jedoch nicht halten, da wie oben
beschrieben der Text des Sensen-Papyrus bekanntlich nicht vor
400 v. Chr. in Gebrauch kam. Außerdem wurde der Text jeweils an den
Verstorbenen angepasst, sein Name und der Name der Eltern wurden angeführt,
was immer zu einem anderen Text führt. Kein namhafter Ägyptologe
würde so eine Theorie unterstützen50 und so verschwand diese Theorie langsam wieder.
Die Gedächtnisstütze Theorie
Die beiden Mormonengelehrten John Tvedtnes und Richley Crapo
gingen das Problem wie folgt an. Sie sahen in der eigentlichen Übersetzung
des Ägyptischen und der Übersetzung von Joseph Smith Parallelen.
Beispielsweise (Abb. 4.2.5) die erste Hieroglyphe mit der Bedeutung das,
dieser findet sich in Joseph Smiths Übersetzung bei Dieser
Priester... usw. Die beiden Gelehrten nahmen nun an, dass hinter jeder
dieser Parallelen eine Anzahl festgelegter Aussagen zum Leben Abrahams, entweder
von Abraham selbst oder von seinen Nachkommen entwickelt, standen. Joseph
Smith hatte nun durch die Gabe Gottes die Möglichkeit, diese Aussagen
herauszulesen. Auch Dr. Nibley schenkte dieser Theorie Beachtung.
Doch auch diese Theorie ließ sich nicht halten und
wurde durch Ägyptologen, wie Dr. Baer51, dementiert, da es kein sichtbares Prinzip
für diese Art der Übersetzung gibt und dass die angenommene Methode
keine konsistente Prozedur aufweist und eher zufällig und chaotisch erscheint.
Trotzdem war diese Theorie für einige Jahre sehr populär innerhalb
der Kirche.
Die Schreiber taten es Theorie
Nachdem man wohl keinen anderen Rat mehr wusste, war es Dr.
Nibley selbst, der sich von der Echtheit der Übersetzung (Alphabet und
Grammatik) distanzierte und diese komplett seinen Schreibern zuschrieb. Diese
Männer von Kirtland, sagte er, versuchten schlicht
Ägyptisch selbst zu lernen, indem sie es mit ihrem eigenen Verstand
angingen und versuchten grammatische Regeln durch Vermutungen aufzustellen52. Nibley räumte ein, dass die Schreiber in ihren Bemühungen
durch den Propheten selbst ermutigt wurden, denn vier Seiten der Manuskripte
enthalten die Handschrift von Joseph Smith selbst, was aber die Fähigkeiten
des Propheten keinesfalls in Frage stellen würde. Denn seine
Übersetzung war eine Sache, während die Diskussionen, Spekulationen
und intellektuellen Kämpfe mit den Kirtland Brüdern etwas anderes
waren53. Nibley führte nicht nur an, dass die Manuskripte
für Smith keinen Wert gehabt haben sollen, sondern dass dies auch der
Grund dafür ist, dass die Kirche diese für so lange Zeit unter Verschluss
hielt.
Innerhalb der Kirche war diese Theorie ein Erfolg, denn sie
distanzierte den Propheten von den peinlichen Übersetzungen.
Für viele war diese Theorie jedoch zu einfach und stand im Widerspruch
zu den vielen Hinweisen in der Church History und anderswo. So lesen
wir in der Kirchengeschichte folgendes von Joseph Smith:
[Juli, 1835] Den Rest des Monats war ich
eingehend mit der Übersetzung eines Alphabets zum Buch Abraham beschäftigt
und erarbeitete eine Grammatik der ägyptischen Sprache, wie sie von
den Alten benutzt wurde.54
[Oktober, 1835] An diesem Nachmittag arbeitete
ich am ägyptischen Alphabet, gemeinsam mit Br. O. Cowdery und W.W.
Phelps. Während des Forschens wurde das Prinzip der Astronomie, wie
es von Vater Abraham verstanden wurde, unserem Verstand eröffnet....55
Wenn Joseph Smith die Manuskripte für wertlos hielt,
dann hätte er nicht zugelassen, dass diese in das offizielle Manuskript
der Kirchengeschichte 1835 übernommen wurden. Es gibt weitere Beispiele
dafür, dass Joseph Smith die Manuskripte regelmäßig präsentierte
und auf ihre Bedeutung hinwies56.
Namhafte Ägyptologen aus dem Umfeld der Kirche, wie
Edward H. Ashment, haben sich taktvoll von dieser Theorie distanziert und
eine direkte Verbindung der Manuskripte zu Joseph Smith eingeräumt57.
In seinem Essay, Reducing
Dissonance: The Book of Abraham as a Case Study, hat sich Ashment eingehend
mit dieser Theorie beschäftigt und aufgezeigt, dass Nibleys Erklärungen
nicht der Wahrheit entsprechen. Er schreibt:
"Dieser Beweise widerspricht nicht nur Nibleys Annahme, dass
'das Englische des Buches Abraham hier hin geschrieben wurde, bevor die
ägyptischen Zeichen hinzugefügt wurden', und dass die hieratischen
Zeichen 'herauskopiert wurden ... von einem einzelnen Schreiber in einer
hervortretenden und ziemlich geschickten Handschrift', sondern zeigt auch
auf, dass in diesen Manuskripten die 'achtzehn hieratischen Randsymbole'
von Papyrus JS 11, direkt mit dem Englisch des Buches Abraham in Verbindung
stehen."
Die Ägyptisch versteht sowieso niemand
Theorie
Auf diese Theorie will ich nicht lange eingehen. Sie wird
nur angeführt, um die Verzweiflung um die Geschichte zu demonstrieren.
Wie eingehend erwähnt, ist Ägyptisch heute eine erschlossene Sprache,
wie das Hebräische auch. Wer sich auf eine solche Argumentation einlässt,
kann im Prinzip alles behaupten.
Neuere Forschungen von F.A.R.M.S
Wie bereits erwähnt ist F.A.R.M.S eine Forschungseinrichtung,
die sich mit der wissenschaftlichen Erforschung heiliger Schrift des Altertums
befasst (siehe Fußnote 8) und damit auch versucht, den Kritikern der
Kirche Gegenargumente zu liefern. Bücher sind bereits auch in Deutsch
erhältlich.
Ein Artikel bezüglich des Buches Abraham wurde 1992
offiziell im Ensign abgedruckt. In diesem wird von John Gee behauptet,
dass das Wort Abraham in den gefundenen Papyri vorkommen soll und eine
Verbindung zwischen dem Patriarchen und den Papyri besteht auch in
Zusammenhang mit Faksimile Nr.1.
Diese Abhandlung wurde ebenfalls von Edward H. Ashment (Ägyptologe
und früherer Koordinator für Übersetzungsdienste der Kirche)
dementiert und als falsch erklärt. Ashment zeigt auf, dass Gee seinen
Lesern verheimlicht, dass er bei seinen Recherchen auf magische Papyri zurückgreift,
die viel jünger sind, als die JS-Papyri. Weiter legt er offen, dass es
sich bei der Person in diesen Papyri um eine Frau handelt, über die magische
Sprüche auf einer Löwencouch ausgesprochen werden und nicht um Abraham,
der geopfert werden soll. Er schließt seine Abhandlung mit den folgenden
Worten:
Mehr als alles andere deuten die Artikel darauf
hin, dass Gees wissenschaftliche Sichtweise, von seinem Bestreben 'glaubensstärkende'
Beweise hervorzubringen, verdeckt ist. Leser solcher Verteidigungsartikel
müssen konsequenterweise äußerst vorsichtig sein, solche
'glaubensstärkenden' Behauptungen zu akzeptieren. Wie die oben angeführte
Prüfung [aus seiner Abhandlung] zeigt, können Verteidigungsartikel
'glaubhafte Geschichte' vermitteln, die von einem nichts ahnenden Publikum
historisch nicht streng hinterfragt wird. Leider verliert dabei jeder: Rechtfertiger
werden von ihren Kollegen in der akademischen Welt nicht ernst genommen;
Kirchenmitglieder werden falsch informiert; und Peinlichkeit wird letztendlich
auf die Kirche zurückkommen ...
Eine ausführliche Erklärung findet sich in eine
seiner Abhandlungen
The Use Of Egyptian Magical Papyri to Authenticate the Book of Abraham
58
und in Abraham
in alten ägyptischen Texten? - Ägyptologe dementiert Aussagen von
Apologet John Gee auf dieser Site.
Gee ist der Kirchengelehrte, auf den sich die meisten Mitglieder
stützen. Er steht mit seiner Ansicht allerdings alleine in der restlichen
akademischen Welt.
Edward H. Ashment hat sich mit den Argumenten der mormonischen
Apologeten, besonders auch mit denen von Nibley, auseinandergesetzt. In der
Schlussfolgerung seines Essays: Reducing
Dissonance: The Book of Abraham as a Case Study, heißt es:
"Es wird daher vorgeschlagen, dass solch ein Umgang
mit Dissonanz, in bezug auf das Buch Abraham, unterlassen wird. Eine Beobachtung
des Bibelforschers Jacob Neusner scheint hier angebracht zu sein: 'ein alter,
christlicher Text, einer aus dem ersten Jahrhundert z.B., kann als würdiges
Thema für wissenschaftliche Untersuchungen erachtet werden [durch Religionshistoriker].
Aber ein frischer christlicher Ausdruck (ich denke dabei an das Buch Mormon)
steht eigentlich für Verspottung zur Verfügung aber niemals zum
Studium. Religiöse Erfahrung im dritten Jahrhundert ist faszinierend.
Religiöse Erfahrung im zwanzigsten Jahrhundert [oder neunzehnten] ist
beängstigend oder absurd.'
Mormonische Apologeten haben die mangelhafte Hypothese, von der Neusner
spricht, völlig akzeptiert. Ein Beweis dafür ist deren Versuch,
aus dem Buch Abraham ein 'würdiges Thema für wissenschaftliche
Untersuchungen' zu machen und es davor zu bewahren, ein Gegenstand der Verspottung
zu sein, indem es unnötigerweise archaisiert wird. Es scheint mehr
angebracht - und mehr akkurat - es als einen 'frischen christlichen Ausdruck'
zu betrachten. Lasst die HLT-Gemeinschaft beginnen zu studieren, nachzudenken
und vom Buch Abraham zu lernen, von dem was es ist - nicht von dem, was
manche in der Gemeinschaft wünschen, das es ist."
Ashment hat auch schon zu früheren Gelegenheiten, Nibleys
Fehler offen gelegt. So etwa in Sunstone,
Dez. 1979. Nibley sagte dazu:
"Nachdem ich Bruder Ashment gehört habe, muss
ich einige Änderung in bezug darauf machen, was ich bereits gesagt
habe."
"Ich bin nicht verantwortlich für etwas, was ich vor mehr als
drei Jahren geschrieben habe."
Diese letzte Aussage umschreibt ziemlich gut, was von Nibleys
Methodik zu halten ist. Wir haben hier einen Gelehrten, der spekulative Theorien
entwirft, für die er sich nach einer gewissen Zeit nicht mehr verantwortlich
fühlt.
Auch der Ägyptologe Dr.
Stephen E. Thompson (siehe oben) bezweifelt, dass Joseph Smith das Buch
Abraham durch Übersetzung zustande gebracht hat und erklärt, dass
Larsons Buch das Beste ist, was man zum Thema lesen kann und dass es weit
mehr akkurat ist, als alles, was Nibley je dazu geschrieben. Auch er hat Gee
dementiert.
David
P. Wright, Professor of Hebrew Bible and Ancient Near East, untersuchte
den Inhalt des Buches Abraham, wie er von Joseph Smith verfasst wurde und
stellte fest, dass dieser nichts mit dem Ägyptischen zu tun hat, sondern
vielmehr mit dem Hebräischen. Dies führt er darauf zurück,
dass Joseph Smith mit Joshua Sexias Hebräisch lernte. Er stimmt mit Thompson
darin überein, dass das Buch Abraham weder historisch, noch authentisch
ist. Wright schlussfolgert:
Diese Beweise, gemeinsam mit Thompsons Beobachtungen,
zeigen, dass das Buch Abraham nicht von Abraham verfasst wurde, nicht historisch
ist und, in der Tat, das Produkt von Joseph Smiths kreativer - inspirierter,
wenn man denn so will - Bibelauslegung ist. Diese Schlussfolgerung kann
mit Bestimmtheit gemacht werden. Sie ist weit von einer wilden Spekulation
entfernt. Entegegengesetzt muss man betonen, dass die meisten Forschungen,
die geschrieben wurden, um die altertümliche Herkunft des Buches (
und abrahamische Herkunft oder Geschichtlichkeit ) zu verteidigen ( das
meiste von Hugh Nibley ), schwach und spekulativ sind und Mängel aufweisen
durch wenig präzise Textanalyse und methodische Ungenauigkeit.
Für weitere Aussagen namhafter Gelehrter zum Thema,
siehe: Das
verlorene Buch Abraham
Es gibt noch etliche andere Theorien, die aber hier nicht
aufgeführt werden können. Mehr dazu in weiterführender Literatur59.
Schlussfolgerung
Der Leser kann sich aus den angeführten Tatsachen nun sein eigenes Bild
machen und zu einer eigenen Schlussfolgerung kommen. Für mich persönlich
ist hier ein eindeutiger Beweis erbracht, dass das Buch Abraham nicht das
ist, für was die Kirche es ausgibt. Erstaunlich ist die Fähigkeit,
seitens der Rechtfertiger, fragwürdige Erklärungen zu finden, wenn
die Wahrheit so klar vor den Augen liegt. Allen voran Dr. Nibley.
So bleiben nur Strohhalme und Theorien, an denen man sich
festhalten kann, um die Authentizität des Buches aufrecht zu erhalten.
Letztendlich bleibt dem Mitglied nur der Rückzug in den Glauben, mit
der Hoffnung, dass der Tag schon kommen wird, an dem der Herr die Dinge zeigen
wird, wie sie wirklich waren.
Manches Mitglied, dass die Problematik erkannt hat, wird
vielleicht argumentieren, dass dadurch die Kirche nicht zusammenbricht und
die Auswirkungen nur gering sind. Ich möchte jedoch darauf hinweisen,
dass ausgehend vom Buch Abraham, zentrale Lehren der Kirche verankert sind,
die man nicht so einfach lösen kann. Z.B., dass Schwarze kein Priestertum
empfangen können und etliche andere Dinge. Akzeptiert man, dass das Buch
Abraham falsch ist, so ergeben sich daraus unweigerlich Konsequenzen! Wie
können wir denn sonst argumentieren, dass bis 1978 Hunderttausenden von
Brüdern die höheren Segnungen des Priestertums verwehrt blieben?
Ein Fehler? Wussten die nachfolgenden Propheten nicht, um was es sich beim
Buch Abraham handelt? Waren sie nicht inspiriert? Und so geht es weiter.
Bleibt noch zu diskutieren, warum Joseph Smith diese Übersetzung
vorgenommen hat? Welchen Nutzen hatte er davon? Hier eine mögliche Erklärung:
Genauere Betrachtungen des Erscheinens und Inhalts mit den
Gegebenheiten und Anfechtungen der Zeit, werfen folgendes neues Licht auf
die Hintergründe, die in Zusammenhang mit mehreren neuen Lehren des Propheten
standen. Es gab etliche Stimmen in der Kirche, die das Priestertum, so wie
es Joseph Smith lehrte, nicht akzeptieren wollten. Es wurde auch behauptet,
dass Smith die Lehre des Priestertums erst im Nachhinein eingeführt hatte,
im Gegensatz zu LuB 13 und 27.
David Whitmer schrieb:
Diese Art des Priestertums, seit den Tagen Sydney
Rigdons, war das große Hobby und der Stolperstein der Heiligen....
Die Sache mit den zwei Priestertümern in der Kirche Christi und der
Weitergabe desselben im alten Gesetz in der Kirche, dies alles entstand
im Kopf von Sydney Rigdon.60
Mit dem Hervorkommen des Buches Abraham war nun auch den
Kritikern bewiesen, dass die Sache des Priestertums echt war, denn Abraham
selbst hielt laut der Übersetzung dieses ewige Priestertum.
Weiterhin wurde dem Propheten vorgehalten, dass die Prophezeiungen in Sachen
Missouri nicht in Erfüllung gingen. Andere zweifelten an seiner Fähigkeit,
das Buch Mormon übersetzt haben zu können usw. In dieser Zeit der
Anfechtungen gab die Übersetzung der Papyri dem Propheten neue Rückendeckung
und seine Reputation wuchs. Lehren, die er neuerlich begonnen hatte zu lehren
und teilweise keine Akzeptanz fanden, wie z.B. die Präexistenz, ewiger
Fortschritt, Wesen und Wohnort Gottes, Mehrheit von Göttern, wurden durch
das Buch Abraham unterlegt. Weiter bot das Buch Abraham auch die einzige Grundlage,
den Schwarzen das Priestertum zu verwehren.
Somit könnte das Buch Abraham seiner Zeit dem Propheten
geholfen haben, spirituell zu überleben. In einer Zeit, in der niemand
den Inhalt der Papyri überprüfen konnte. Doch die Zeiten haben sich
geändert......
Fußnoten
1
Charles M. Larson: ...by his own hand upon papyrus.
Dies ist wahrscheinlich das am weitesten recherchierte
Buch zu diesem Thema. Charles M. Larson ist ein
ehemaliges Mitglied der Kirche und hat die Geschichte und Archäologie
des Buches Abraham bestens studiert. Obwohl er selbst kein Ägyptologe
ist, haben zwei Ägyptologen der Kirche sein Buch als bestes
Themenbuch bewertet oder anerkannt. Viele der angeführten Fußnoten sind
diesem Buch entlehnt.
2
History of the Church, Band 2, S.235f.
3
History of the Church, Band 2, S.236
4
History of the Church, Band 2, S.236
5
Brief von Oliver Cowdery an W. Frey, vom 25. Dez. 1835.
Herausgegeben im HLT Messenger and Advocate, Dez. 1835
6
History of the Church, Band 2, S.238, 318ff.
7
Siehe Buch Abraham 5:21
8
Sidney B. Sperry, Ancient Records Testify in Papyrus
and Stone, S.83
9
Siehe Einleitung zum Buch Abraham in der Köstlichen
Perle.
10
History of the Church, Band 2, S.236, und Band 4,
S. 518, Times and Seasons, März 1842
11
Bruce R. McConkie, Mormon Doctrine 1979, S.564
12
Egyptian Grammar, Being an Introduction to the Study
of Hieroglyphics, Sir Alan Gardiner, 3.Aufl.
13
Voyage au Pays des Mormons, von Jules Remy
14
George Reynolds and M. Sjodahl, Commentary on the
Pearl of Great Price, S. 280
15
Dr. Arthur Mace, Assistant Curator, Metropolitan Museum
of Art, New York, Dept. of Egyt. Art. James H. Breasted, Ph.D.,
Haskell Oriental Museum, University of Chicago
16
Improvement Era, Band 16, Februar 1913
17
Wlliam E. Berret, Seine Kirche Wiederhergestellt,
S.97
18
Dr. Atiyas Bericht der Entdeckung wurde in der Januar
Ausgabe 1968 der Imrovement Era ausgegeben.
19
Impovement Era, Januar 1968, S.25
20
Dialogue A Journal of Mormon Thought, Sommer
1968, S.91 Dialogue war eine nicht-offizielle Kirchenzeitschrift
21
Brief von I.E. Edwards, Department of Egytian
Antiquities, 9. Juni 1966
22
Aus Dialogue: A Journal of Mormon Thought,
Herbst 1968, S.133,134.
23
Abr. 1:12
24
Abr. 1:14
25
Darunter Sounding Brass und The Myth Makers
26
Brief von Dr. Nibley an Dee Nelson, abgebildet in
Charles M. Larson ...by his own hand upon papyrus, S.55
27
In einem Bericht von Dee Nelson an Jerald und Sandra
Tanner.
28
Frühlingsausgabe der Brigham Young University
Studies, 1968
29
Improvement Era, Mai 1970, S.82f.
30
Eine komplette Übersicht in Farbe findet sich in
Charles M. Larson ...by his own hand upon papyrus, S.33,
oder teilweise im Internet
31
Dr. Klaus Baer, Dialogue: A Journal of Mormon Thought,
Herbst 1968, S.111
32
Dr. Klaus Baer, Dialogue: A Journal of Mormon Thought,
Herbst 1968, S.116f.
33
Richard A. Parker, Dialogue: A Journal of Mormon
Thought, Sommer 1968, S.98
34
Charles M. Larson ...by his own hand upon papyrus, S.6180
35
Charles M. Larson ...by his own hand upon papyrus, S.8187
36
Siehe dazu Charles M. Larson...by his own hand upon papyrus, S.97ff.
37
Dialogue: A Journal of Mormon Thought, Sommer
1968, S.101
38
Daniel Ludlow, The Encyclopedia of Mormonism,
Band 1, S.134
39
Köstliche Perle, S.28
40
Eine erweiterte Erklärung zu Dr. Klaus Baer in
Dialogue: A Journal of Mormon Thought, Sommer 1968, S.118
41
Eine komplette Übersicht findet sich in Charles M.
Larson ...by his own hand upon papyrus, S.100111
42
William Edwin Barret, Seine Kirche wiederhergestellt,
S.97
43
History of the Church, Band 2, S.248, siehe auch
Fußnote 33
44
History of the Church, Band 2, S.235
45
History of the Church, Band 2, S.236
46
Siehe Fußnote 33
47
Siehe dazu Farbfotos aus Charles M. Larson ...by his own hand upon papyrus, S.33f.
48
Charles M. Larson ...by his own hand upon papyrus, S.129134
49
Nibley, Brigham Young University Studies, Frühling
1968, S.249
50
Prof. Richard Parker in einem Brief an Marvin Crowan, 9.
Januar 1968
51
Aus Jay Todds Buch The Saga of the Book of Abraham,
1969, S.386
52
Dr. Hugh Nibley, Judging and Prejudging the Book of
Abraham, herausgegeben von Robert und Rosemary Brown in They
Lie in Wait to Deceive, S.236245
53
Wie 74, S.238
54
History of the Church, Band 2, S.238
55
History of the Church, Band 2, S.286
56
The Voice of Truth (1844), S. 16f., zitiert in No
Man Knows My History, S.292
57
Sunstone, Dezember 1979
58
The Use Of Egyptian
Magical Papyri To Authenticate The Book Of Abraham
59
Eine komplette Übersicht findet sich in Charles M.
Larson ...by his own hand upon papyrus, S.114140
60
David Whitmer, An Address to all Believers in Christ
(Richmond Missouri, 1887) S.64