Um die Problematik in Zusammenhang mit dem Buch
Abraham besser verstehen zu können, kann es von Nutzen sein, sich mit
den grundsätzlichen Dingen der Ägyptologie ein wenig zu beschäftigen. Ich
habe deswegen einige wichtige Themen hier zusammengefasst. Am Anfang eines
jeden Bereiches wird vermerkt, in welchem Bezug das Thema zum Buch Abraham,
bzw. den Joseph-Smith-Papyri
steht.
Forscher und Schatzjäger des 19. Jahrhunderts
Bemerkung:
Zu Zeiten von Joseph Smith befand sich die Ägyptologie weltweit noch
in den Kinderschuhen. Im Jahre 1835 erwarb Smith von einem Iren Namens Michael
Chandler die Papyri, welche sich bei den von Chandler ausgestellten Mumien
befanden. Die Mumien und Papyri stammten ursprünglich aus einer Grabstelle,
die sich entlang des Nils in der Nähe von Theben befand. Sie wurden von einem
Grabräuber namens Antonio Lebelo in den frühen 20er Jahren des 19. Jahrhunderts
exhumiert.
Mit den Truppen Napoleon Bonapartes kam 1798 auch ein großes
Forscherteam nach Ägypten. Es sollte ein umfassendes Bild des Landes erstellen,
was in der kurzen Zeit von nur zwei Jahren trotz äußerst schwieriger Bedingungen
auch gelang. Die Ergebnisse wurden in neun Text- und elf großformatigen Bildbänden
unter dem Titel »Description de 1'Egypte« zwischen 1809 und 1822 in Paris veröffentlicht.
D. Vivant Denon (1747-1825), der spätere Generalmuseumsdirektor, der die Expedition
begleitete hatte, berichtete darüber ausführlich in seinem Buch »Mit Napoleon
in Ägypten«. Dieses Werk und der zugehörige Bildatlas mit eigenen Stichen lösten
zusammen mit der »Description« einen wahren Ägyptenrausch aus. Zahlreiche Europäer
bemühten sich von nun an, immer neue Denkmäler zu entdecken, sie zu zeichnen
und zu beschreiben. Einige der Bauten sind uns heute nur noch durch diese Zeichnungen
und Berichte überliefert, da sie später abgerissen wurden und ihre Blöcke in
die Kalksteinöfen wanderten. Daneben waren es aber die großen Plünderungskampagnen,
die unermeßlichen Schaden anrichteten. Je mehr man nämlich in Europa durch die
Forscher erfuhr, um so größer wurde der Wunsch, ägyptische Antiken zu besitzen.
In Europa war das Interesse am Aufbau großer Sammlungen erwacht, so daß sich
viele Fremde und Einheimische auf den Antikenhandel zu spezialisieren begannen.
Das Geschäft mit Antiquitäten boomte, für viele ausländische Gesandte wurde
es zu einer beliebten Einnahmequelle. Zu nennen sind hier vor allem Giovanni
Anastasi (1780-1857), Bernardino Drovetti (1776-1852) und Henry Salt (1780-1827).
Tausende von Objekten trugen sie zusammen, führten eigene Ausgrabungen durch
und kauften alles, was ihnen interessant erschien. Ihre Kollektionen veräußerten
sie an die europäischen Museen. Sie bildeten den Grundstock für die großen Sammlungen
in London, Paris, Turin, Berlin und Leiden. Für schwierige Unternehmungen und
intensivere Grabungen heuerten diese Diplomaten findige Abenteurer an, wie Jean
Jacques Rifaud (1786-1852) oder Giovanni Battista Belzoni (1778-1823). Letzterem
gelang es sogar, den oberen Teil einer gewaltigen Kolossalstatue Ramses' 11.
(»Younger Memnon«) aus dessen Totentempel in Theben-West bis nach London zu
bringen. Ein wahrer Wettbewerb entstand, wer am schnellsten die meisten und
größten Objekte zusammenraffen und abtransportieren konnte.
Quelle: Ägypten, Die Welt der Pharaonen, Könemann, S.494
Die ersten Ägyptologen: Eine Wissenschaft wird
begründet
Bemerkung:
Während Smith 1835 behauptete, er könne ägyptische Hieroglyphen übersetzen,
formten sich in der Alten Welt erst die Anfänge der Ägyptologie. Die ersten
Werke wurden veröffentlicht und Ausgrabungen getätigt.
Aber nicht nur der Wunsch nach Antiquitäten bestimmte die Zeit, sondern auch
ein ernsthaftes Interesse, mehr über die altägyptische Hochkultur zu erfahren.
Ein Grund dafür war, daß man nach Bestätigungen für die Aussagen der Bibel
suchte. Und so begannen die ersten wirklichen Wissenschaftler mit ihrer Arbeit.
An erster Stelle ist hier zweifelsfrei der Franzose Jean-François
Champollion (1790-1832) zu nennen, dem es nach vielen Fehlversuchen anderer
mit Hilfe eines dreisprachigen Dekrets Ptolemaios' V aus dem Jahr 196 v. Chr.
(dem so genannten Rosettastein) gelang, den Schlüssel zum Geheimnis der Hieroglyphenschrift
zu entdecken. Damit konnte in kürzester Zeit eine längst vergessene Welt erschlossen
werden. Zu den überragenden Leistungen dieses genialen Wissenschaftlers gehört
auch die Auffindung des in zahlreiche Fragmente zerfallenen Königspapyrus
im Turiner Museum, die er in einem Brief von 1824 an seinen Bruder schildert:
„Der interessanteste Papyrus hingegen, eine wahre Fundgrube
für die Geschichte, dessen fast vollständige Zerstörung ich ewig bereuen werde,
ist eine Zeittafel, eine richtige Königsliste in hieratischer Schrift mit mindestens
viermal mehr Dynastien als auf den Tafeln von Abydos in ihrem ursprünglichen
Zustand. Inmitten des Staubes konnte ich ungefähr zwanzig Fragmente zusammenlesen,
jedoch kaum daumengroße Stücke, die die mehr oder weniger verstümmelten Namen
von siebenundsiebzig Pharaonen enthalten. Auch bin ich überzeugt, daß es sich
hier um frühere Dynastien handelt.“
Champollion selbst reiste 1828 zusammen mit Ippolito Rosellini
(1800-1843) durch Ägypten und gelangte bis Abu Simbel. Überall kopierte er die
erhaltenen Texte und bemühte sich um ihre Übersetzung. Die Publikation der Ergebnisse
durch Rosellini erschien zwischen 1832 und 1844 unter dem Titel »I Monumente
dell' Egitto e della Nubia«. Neben der »Description« wurde diese Publikation
zu einem der großen Standardwerke der neu entstandenen Forschungsdisziplin Ägyptologie.
Aber noch ein drittes großes Werk muß genannt werden. Karl
Richard Lepsius (1810-1884) erhielt vom preußischen König den Auftrag, eine
möglichst umfassende Aufnahme ägyptischer und nubischer Denkmäler zu erstellen.
Das Ergebnis seiner Reise zwischen 1842 und 1845 durch das Land ist die zwölfbändige
Ausgabe der »Denkmaeler aus Aegypten und Aethiopien«, die allein 894 Farbtafeln
enthält und 1859 veröffentlicht wurde.
Neben diesen Dokumentationsarbeiten wurden nun auch die ersten
größeren Grabungen durchgeführt. Der Franzose Auguste Mariette (1821-1881) war
1850 mit dem Auftrag nach Ägypten gekommen, koptische Manuskripte zu erwerben.
Aufgrund ungünstiger Umstände wurde ihm der Zugang zu den Klöstern verwehrt,
so daß er seiner Aufgabe nicht nachkommen konnte. Statt dessen begann er mit
ersten Ausgrabungen in Saqqara und erhielt trotz einiger Schwierigkeiten zwischen
der französischen und ägyptischen Regierung schließlich die offizielle Genehmigung
für seine Arbeiten. Seine Ergebnisse waren sensationell. Er entdeckte die unterirdische
Bestattungsstätte der heiligen Apisstiere, das Serapeum, mit seinen riesigen
Sarkophagen und katakombenartigen Anlagen. Nachdem ihm 1857 weitere Genehmigungen
für Ausgrabungen erteilt wurden, dehnte er diese nun auch auf andere lohnende
Stätten wie Abydos, Theben und Elephantine aus.
Im folgenden Jahr wurde er schließlich zum Leiter der ägyptischen
Altertümerverwaltung ernannt. Insgesamt führte er 17 große Grabungsprojekte
im ganzen Land durch und beschäftigte dabei über 7200 Arbeiter. Dabei strebte
er aber nicht nur neue Entdeckungen an, sondern ergriff auch erste Schutzmaßnahmen.
So ließ er einige der Anlagen befestigen, um sie vor dem Einsturz zu sichern,
und brachte viele der leicht beweglichen Gegenstände nach Kairo in das Ägyptische
Museum, um sie vor Diebstahl zu sichern. Seiner Politik und der seines Nachfolgers
Gaston Maspero (1846-1916) in der Leitung der ägyptischen Altertümerverwaltung
ist es zu verdanken, daß zumindest ein Teil des pharaonischen Erbes für Ägypten
gerettet werden konnte.
Als erster systematischer Ausgräber, der nicht nur auf »wertvolle«
Stücke aus war, sondern auch den Grabungskontext zu erfassen suchte, ist Sir
William Matthew Flinders Petrie (1853-1942) zu nennen. Seine systematischen
Arbeiten waren wegweisend für jede spätere Grabungstätigkeit in Ägypten. Er
erstellte Werke über einzelne Objektgruppen und genaue Verzeichnisse der einzelnen
Fundkomplexe. In seiner über 42jährigen Ausgrabungstätigkeit erforschte er fast
40 unterschiedliche Stätten und publizierte über 1000 Bücher, Artikel und Kurzberichte.
Für den Bereich der Sprachforschung haben Adolf Erman (1854-1937)
und Hermann Grapow (1885-1967) Großartiges geleistet. Mit Hilfe zahlreicher
Kollegen richteten sie eine noch heute in Berlin existierende Sammelstelle für
altägyptische Texte ein, aus der das »Wörterbuch der Ägyptischen Sprache« hervorging.
Nun brach auch die Zeit der großen Sprachforscher wie Kurt Sethe (1869-1934),
Walter Ewing Crum (1865-1944) oder Sir Alan H. Gardiner (1879-1963) an.
Quelle: Ägypten, Die Welt der Pharaonen, Könemann, S.494f
Der Totenkult
Bemerkung:
Die Papyri, die Joseph Smith erwarb, waren einfache Totentexte, wie
sie im ägyptischen Totenkult weit verbreitet waren. Der Inhalt des Buches
Abraham hat mit diesen Texten nichts gemein zumal die Papyri auf eine Zeit
nach 500 v. Chr. datiert werden und Abraham ca. 2000 Jahre v. Chr. lebte.
Spontane Assoziationen zum Stichwort »Altes Ägypten« laufen
zumeist auf Pyramiden, Mumien und goldene Grabschätze hinaus, Bestandteile des
ägyptischen Totenkults, die beispielhaft für die Faszination und Eigenständigkeit
der ägyptischen Kultur sind. Die prachtvollen Grabbauten von Königen und hohen
Beamten sind aber nur ein kleiner Ausschnitt, es darf nicht vergessen werden,
daß es eine viel größere Anzahl ärmlicher Bestattungen gab, über deren Kultpraktiken
kaum etwas bekannt ist.
Der Kult um einen Verstorbenen gliedert sich - in Ägypten wie
fast überall auf der Welt - in zwei Phasen mit unterschiedlicher Dauer:
1. Zeitlich befristet sind die Bemühungen um den Leichnam vom
Eintritt des Todes an bis zum Abschluß der Bestattungszeremonien (siehe hierzu
die Kapitel über Mumifizierung, Grabanlagen, Begräbnis). Bestimmte Grabbeigaben
sollen den Toten in Ägypten auf Dauer versorgen, wobei sich reale und symbolische
Gegenstände ergänzen. Schriftlich fixierte Totentexte haben den Zweck, dem Verstorbenen
die Kenntnis der Jenseitsbereiche zu vermitteln und Wohlergehen, Versorgtheit
sowie Verklärung unter den Göttern, aber auch Schutz vor negativen Kräften zu
sichern.
2. Nach der Bestattung beginnen regelmäßig zu verrichtende
Opferhandlungen und Festrituale am Grab, die von der Konzeption her zeitlich
unbefristet gedacht sind.
3. Als dritten Bereich kann man die allgemeine Einstellung
der Lebenden zu ihren Toten erfassen, die in sogenannten Lebenslehren und Idealbiographien
schriftlich fixiert und gesellschaftlich verankert ist. Ein rein persönlicher
Umgang mit den Toten zeigt sich in Ägypten in Briefen, die man an die Verstorbenen
schrieb sowie im Ahnenkult für ehemals angesehene Dorfbewohner.
Quelle: Ägypten, Die Welt der Pharaonen, Könemann, S. 481
Die Totentexte
Ein weiteres Teilhaben der Privatleute an königlichen Privilegien ist
bei den Totentexten zu beobachten. Ab der 5. Dynastie wurden Sprüche, die
den Aufstieg des Königs zum Himmel in den Bereich der Götter beschwören, an
den Wänden der königlichen Grabkammern eingraviert: die »Pyramidentexte«.
Sie liefern die ältesten ausführlichen Informationen über die religiösen Vorstellungen
der Ägypter und bezeugen eine bereits stark differenzierte Götterwelt. Ihre
Funktion lag ursprünglich im Bereich des Totenkultes, es sind überwiegend
Rezitationen, die von Priestern bei der Beisetzung und vielleicht an bestimmten
Festtagen zu Gehör gebracht wurden. Durch ihre schriftliche Fixierung in Stein
wurden sie für den König (und für uns) auf Dauer »gespeichert«.
Im Mittleren Reich findet eine sogenannte Demokratisierung
des Totenglaubens statt, auch der Privatmann darf aus diesen (zum Teil umgearbeiteten)
und anderen Texten für seine Bestattung schöpfen. Sie werden allerdings nicht
an den Grabwänden angebracht, die im Privatgrab nach wie vor Szenen aus dem
alltäglichen Leben und der Opferversorgung vorbehalten sind, sondern näher beim
Toten, auf den Wänden der hölzernen, rechteckigen Särge. Diese »Sargtexte« werden
dabei selbst wie eine Grabbeigabe - mit Darstellungen von Speisen und Geräten
kombiniert.
Im Neuen Reich ist die Menge solcher Sprüche dermaßen angewachsen
(über 190), daß man beginnt, sie auf bis zu 25 m lange Papyrusrollen aufzuschreiben,
die man platzsparend in den Sarg, manchmal gezielt unter oder über den Kopf
der Mumie legen konnte. Diese Spruchsammlung wurde im 19. Ih. mit dem leicht
irreführenden Begriff »Totenbuch« bezeichnet, der ägyptische Titel lautet: »Anfang
der Sprüche vom Herausgehen am Tage, von den Erhebungen und Verklärungen, vom
Ein- und Ausgehen im Totenreich, die zu sprechen sind am Tag der Bestattung
des« - der Name des Verstorbenen ist an dieser Stelle einzufügen - »mit gerechtfertigter
Stimme, der (wieder) eintritt, nachdem er herausging«.
Die Zusammensetzung der Sprüche und ihre Abfolge variieren
lange Zeit, bis in der 26. Dynastie eine kanonische Reihenfolge von 165 Sprüchen
entsteht, nach der sie heute numerisch bezeichnet werden. Es findet sich darunter
zum Beispiel der »Spruch, um zu verhindern, daß ein Mann von einer Schlange
gebissen wird im Totenreich« (Tb 34), der »Spruch, um nicht zu verwesen im Totenreich«
(Tb 45) oder der »Spruch, um Luft zu atmen und über Wasser zu verfügen im Totenreich«
(Tb 59), ein Wunsch, der in den stickigen Grabanlagen im Wüstengebiet eine besondere
Bedeutung bekommt. In diesem Spruch wird die »Sykomore der Nut« als schatten-
und nahrungsspendende Baumgöttin angerufen, die auch gerne auf Stelen und an
Grabwänden dargestellt wird.
Eine zentrale Rolle im Totenbuch spielt die Prüfung des Verstorbenen
vor dem Jenseitsgericht, dem der Große Gott Osins vorsteht (Tb 125). Hochinteressant
ist auch Spruch 175 (»um nicht noch einmal zu sterben im Totenreich«), der unter
anderem ein Zwiegespräch zwischen den Göttern Atum und Osiris über das Ende
der Welt und das Totenreich als Stätte des Mangels enthält. Die Nachschrift
von Spruch 136 A formuliert, was man sich vom Besitz dieser Sprüche insgesamt
erhoffte und erklärt gleichzeitig, warum man häufig bereit war, für sich oder
einen Familienangehörigen ein solches Totenbuch mit zahlreichen farbigen Illustrationen
für einen sicherlich nicht geringen Preis zu kaufen:
»Der Totengeist, für den man dieses tut, wird nicht untergehen unendlich.
Er wird in der Herrlichkeit eines Gottes existieren.
Es kann ihn keine böse Sache treffen.
Er wird als handlungsfähiger Totengeist im Westen existieren.
Er wird nicht noch einmal sterben.
Er wird essen und trinken zusammen mit Osiris, jeden Tag.
Er wird gezogen werden zusammen mit den Königen von Ober- und Unterägypten.
Er wird Wasser trinken aus der Trinkstelle des Flusses.
Er wird sich sexuell betätigen können, und er wird herausgehen und
hinabsteigen am Tage wie Horus.
Er wird lebend sein und existieren wie ein Gott. Er wird verehrt werden
von den Lebenden wie Re.«
Totenbücher wurden zum einen Teil auf Bestellung für den Käufer
persönlich von beruflichen Schreibern aus Vorlagen kopiert, indem dessen Name
und seine Titel gleich in den Text eingefügt wurden. Zum anderen Teil fertigten
die Schreiber Totenbücher auf Vorrat, und der Name des späteren Empfängers mußte
dann in zahlreiche dafür frei gelassene Lücken eingetragen werden.
In der 30. Dynastie wird im Raum Memphis eine Aufzeichnungsvariante
für Totentexte populär: man notierte sie auf lange, schmale Mumienbinden, die
dem Leichnam direkt auf den Leib gebunden wurden.
Neben dem nach wie vor beliebten »Totenbuch« kommen in der
Ptolemäerzeit weitere Totentexte in Gebrauch, die als Bücher des Schreibergotts
Thot (griech. Hermes) bezeichnet werden, so die »Bücher (eigentlich Briefe)
vom Atmen«. Das vor allem in der Römerzeit verbreitete »Buch vom Durchwandeln
der Ewigkeit« ist ein Hymnus an den Toten, der ihn zu zahlreichen Kultorten
und Festtagen in das irdische Leben zurückversetzen soll und wahrscheinlich
bei der Bestattung sowie an Totenfesten rezitiert wurde.
Quelle: Ägypten, Die Welt der Pharaonen, Könemann, S. 483ff.
Entzifferung der Hieroglyphen
Bemerkung:
Dr. Robert
K. Ritner: „In den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts war die alte ägyptische Sprache
in den Vereinigten Staaten praktisch unbekannt. Seine Übersetzung begann 1822
und dieses Wissen gelangte nicht über den Atlantik. Somit gab es nur wenige,
wenn überhaupt welche, in den USA, die zu verstehen in der Lage gewesen wären,
welche Teile eines ägyptischen Dokuments zusammengehört hätten, was die verschiedenen
ägyptischen Sprachen waren, auf welche Weise man sie liest - von links nach
rechts, von oben nach unten. Nichts davon war bekannt. Daraus resultiert,
dass jegliche Interpretation eines ägyptischen Dokuments im Jahre 1842 oder
45 oder 50 oder sogar 1860 für das allgemeine Publikum glaubhaft gewesen wäre,
das keine Möglichkeit des Vergleichs mit der tatsächlichen Wahrheit gehabt
hat.“ (Das verlorene Buch Abraham)
Kurze Geschichte zur Entzifferung der Hieroglyphen
Bei der Entschlüsselung der Hieroglyphen hatte Jean François Champollion
den mit Abstand größten Anteil. Schon vor ihm haben sich verschiedene Gelehrte
an der Entzifferung versucht und den Grundstock gelegt. Abbé Barthélemy, Carsten
Niebuhr, Etienne de Quatremére, Silvestre de Sacy und der Physiker Thomas
Young. Champollion war der erste, der das System dieser Schriftzeichen verstand
und umsetzte. 1821 veröffentlichte er die Ergebnisse seiner 13 jährigen Arbeit
am Stein von Rosetta. An Hand der Nameskatusche des Ptolemaios und des Namens
der Königen Kleopatra konnte er die ersten Schriftzeichen deuten und somit
die Grundlage zur Entzifferung der Hieroglyphen voran treiben. Heute kennt
man etwa 6000 Schriftzeichen, wovon 4700 auf der Homepage der Publications
Interuniversitaires de Recherches Egyptologiques Informatisees (PIREI, Niederlande)
zu sehen sind.
Jean François Champollion
Wurde am 23. Dezember 1790 in Figeac, als Sohn eines Buchhändlers geboren.
Schon mit 15 Jahren schrieb er sich in der Akademie der Wissenschaften in
Grenoble, als Student ein. Als 19 jähriger arbeitete er dort als Geschichtsprofessor.
Da er überzeugter Napoleon Anhänger war und dieses auch öffentlich bekundete
wurde er, wie auch Bonaparte aus Frankreich verband und kehrte erst 1821 nach
Paris zurück. Im Jahre 1822 erreichte Champollion endlich den Durchbruch bei
der Entzifferung der Hieroglyphen und vervollständigte diese in den folgenden
Jahren. Eine zweijährige Studienreisen nach Ägypten bestätigten seine bis
dahin geführten Forschungen. Im März 1831 bekam er den ersten Lehrstuhl für
Ägyptologie am Collége de France. Leider starb er schon ein Jahr später an
den folgen einer Infektionskrankheit die er sich vermutlich in Ägypten zugezogen
hat.
Stein von Rosetta
Dieser bedeutende Stein wurde Mitte Juli des Jahres 1799 von dem Französischen
Offizier Pierre Francois Xavier Bouchard gefunden und nach seinen Fundort
benannt. Die Umstände des Fundes sind ein wenig zweifelhaft, da der Stein
wohl mehr durch Zufall, bei der Gewinnung von Baumaterial gefunden wurde,
welches zur Errichtung eines Forts diente. Der historische Wert des Steins
von Rosetta wurde aber dennoch sofort erkannt und den Gelehrten, die Napoleon
mit ihm nach Ägypten genommen hatte zur Verfügung gestellt. Nach der Kapitulation
der Franzosen in Alexandria gelangte der Stein 1802 nach London in das Britische
Museum. Sogar in seinem unvollständigen Zustand hat der Stein von Rosetta
enorme Ausmaße 114cm in der Höhe, 72 Zentimeter in der Breite und etwa 28cm
in der Stärke. Sein Gewicht beträgt 762 Kilogramm. Ein großes Teil der linken
oberen Ecke, ein schmalerer Abschnitt des rechten oberen Randes und die untere
rechte Ecke fehlen. Die Beschreibungen auf dem Stein von Rosetta wurden in
zwei Sprachen abgefaßt, ägyptisch und griechisch, wobei sich ägyptische in
Hieroglyphen und Demotik unterteilt. Leider sind nur die letzten 14 Zeilen
des Hieroglyphen Textes erhalten geblieben und diese entsprechen den letzten
28 Zeilen des griechischen Textes. Die meisten fehlenden Zeilen im Hieroglyphen
Abschnitt konnten von einer Kopie einer Verordnung auf einem Obelisken, der
1898 bei Damanhur gefunden wurde, wieder hergestellt werden. Eine weitere
Version des Steintextes von Rosetta, wurde auf den Wänden des Geburtshauses
von Isis auf der Insel Philae gefunden. Entscheidend ist aber die Tatsache
das alle drei Texte den gleichen Inhalt haben.

Der Stein von Rosetta
Schrift und Schrifttum
Bemerkung:
Bei der Schrift der Joseph-Smith-Papyri handelt es sich um hieratische
Schriftzeichen. 18 davon werden in den von Smith und seinen Schreibern angefertigten
Übersetzungsmanuskripten
als Randsymbole wieder gefunden.
Die Entstehung der »Heiligen Bilder«
Der Ort Abydos in Oberägypten ist vielen Ägyptenbesuchern als Hauptkultort
des Osirisglaubens bekannt. Wenige Kilometer hinter dem berühmten Tempel Sethos'
I. liegen die ältesten Königsgräber des Landes, die bis in die sogenannte
vordynastische Zeit zurückreichen. Ausgrabungen des Deutschen Archäologischen
Instituts Kairo im Nekropolenbereich haben erst in jüngster Zeit Funde zutage
gefördert, nach denen die Entstehung der Schrift in Ägypten wohl um mehrere
Jahrhunderte zurückdatiert werden muß. Bisher war man von einem Zeitraum um
3000 v. Chr. ausgegangen.
Damit ist eine alte Frage wieder aufgeworfen, nämlich die nach
einer möglichen Abhängigkeit der Schriftentwicklung in Ägypten von der ungefähr
gleichzeitig verlaufenden in Mesopotamien und im Iran. Die vorderasiatischen
frühen Bildzeichen, aus denen sich bald durch Vereinfachung die sogenannte Keilschrift
entwickelte, sind offenbar aus wirtschaftlich motivierten Beweggründen erfunden
worden. Erzählungen und Mythen, ebenso wie Botschaften unterschiedlichster Art,
konnten problemlos mündlich tradiert und übermittelt werden. Handelszwecke aber
erforderten eine zuverlässige Fixierung zunächst einfacher Fakten wie Ausgaben
und Einnahmen oder Abrechnungen.
Die Ägypter selbst erklärten sich die unerhörte Kulturleistung
der Schrift ganz anders: als ein Geschenk der Götter, genauer des Gottes Thot.
Dieser war als Mondgott für die Zeitrechnung sowie allgemein für das, was wir
Wissenschaft nennen und damit vor allem auch für Schrift und Schreiber zuständig.
Mdw-ntr, »Gottesworte«, nannten sie selbst ihre Schrift, die wir mit einem semantisch
ganz ähnlichen Begriff bezeichnen, dem von den Griechen geprägten »Hieroglyphen«
(aus hieroglyphikòs grámmata), das heißt »heilige Zeichen«. Wer schon einmal
bewundernd vor einer Grabwand die rätselhaften Kombinationen von Pflanzen und
Körperteilen, geometrischen Figuren und Vögeln betrachtet hat, die teilweise
bis ins Detail hinein liebevoll ausgeführt sind, wird eine Vorstellung von »visueller
Poesie« nachfühlen können und den Ägyptern ihre Gewißheit von göttlicher Eingebung
dahinter zugestehen.
Der Gebrauch der Hieroglyphenschrift
Bemerkenswerterweise ist in Ägypten, anders als in Mesopotamien, keine
längere Entstehungsphase zu erkennen, in der sich aus den jahrtausendelang
in Felskunst und als Gefäßdekorationen gebräuchlichen Bildern allmählich ein
Schriftsystem ausgebildet hätte. Die Hieroglyphenschrift taucht mehr oder
weniger plötzlich als im wesentlichen fertiges System auf, das dann - über
dreieinhalb Jahrtausende - nicht mehr essentiell verändert wird. Die ältesten
Textfunde beschränken sich auf die Schreibung einzelner Begriffe. Dies sind
Kennzeichnungen von Gefäßinhalten oder häufig Namen und Titel von Personen
oder Orten, etwa auf Grabstelen oder Weihegeschenken für Götter. Indirekte
Hinweise lassen jedoch vermuten, daß schon ab der 1. Dynastie (um 2950 v.
Chr.) vollständige Bücher existierten.
Am anderen Ende der Hieroglyphengeschichte steht eine Inschrift an einem
Tempel auf der Insel Philae aus dem Jahr 394 n. Chr. Längst waren nun die
Hieroglyphen nur noch für die wenigen verbliebenen Priester der altägyptischen
Religion verständlich. Das byzantinische Reich, das zu dieser Zeit die Oberhoheit
über Ägypten innehatte, verbot die »heidnischen« Kulte, deren »Gottesworte«
für lange Zeit in Vergessenheit gerieten. Mit dem Christentum ging in Ägypten
die Einführung der griechischen Buchstaben für die ägyptische Sprache einher,
ergänzt freilich durch einige genuin ägyptische Zeichen für dem Griechischen
fremde Laute. Diese koptische Schrift und Sprache ist heute noch in der Liturgie
der ägyptischen Kirche in Gebrauch.
Ägyptisch lesen und verstehen
Mit dem Ägyptenfeldzug Napoleons setzt die moderne, wissenschaftliche
Auseinandersetzung mit der altägyptischen Kultur ein. Die Ägyptologie entsteht.
Dem Franzosen Jean-François Champollion (1790-1832) gelingt endgültig die
Entzifferung der Hieroglyphen und des Hieratischen. Diesem Erfolg gehen Vorarbeiten
anderer voraus, etwa des Schweden Johan David Akerblad und des Engländers
Thomas Young. Der Schlüssel zum Verständnis war für Champollion die Erkenntnis,
daß die Hieroglyphen trotz ihrer äußeren Erscheinung eben nicht eine Bilderschrift
darstellten, wie etwa das Chinesische, wo jedes Zeichen für ein ganzes Wort
steht. Er konnte dies anhand des sogenannten Steins von Rosette erkennen,
der ein Priesterdekret aus ptolemäischer Zeit in drei verschiedenen Schriften
und zwei verschiedenen Sprachen enthält: In Hieroglyphen, in demotischer Schrift
und in Griechisch (siehe Bild unten). Champollion zählte über 1400 Hieroglyphen,
denen in der griechischen Version aber nur knapp 500 Worte gegenüberstanden.
Die im griechischen Text vorkommenden königlichen Namen Ptolemaios und Kleopatra
vermutete er zurecht innerhalb der im hieroglyphischen Schriftbild auffälligen
sogenannten Kartuschen oder Königsringe - und mußte sie nun im Prinzip nur
noch Buchstabe für Buchstabe lesen. Weitere Königsnamen auf anderen Dokumenten
folgten, und schließlich erschlossen sich ihm Schritt für Schritt andere Worte,
grammatikalische Formen bis hin zur Syntax: nicht mehr nur die Schrift, sondern
eben die Sprache an sich. Von großer Hilfe war ihm dabei freilich die Kenntnis
des Koptischen. 1824 konnte Champollion seine bewundernswerte Leistung in
einem vierhundertseitigen Werk mit dem Titel »Précis du système hiéroglyphique
des anciens Égyptiens« vorlegen. 1836, einige Jahre nach seinem frühen Tod,
erschien seine »Grammaire égyptienne«, 1841 sein »Dictionnaire égyptien«.
Die Arbeit der Ägyptologen
Generationen von Ägyptologen haben seither an der Wiedergewinnung der
ägyptischen Sprache weitergearbeitet. Heute ist man soweit, nahezu alle Texte,
soweit ihr Erhaltungszustand es zuläßt, im großen und ganzen verstehen zu
können. Davon weitgehend ausgenommen sind vor allem speziell ausgeklügelte,
kryptographische Texte, die Priester in der Ptolemäer- und Römerzeit entwickelten.
Allerdings haben uns die Ägypter
selbst weder ein Wörterbuch, noch eine Grammatik ihrer Sprache
hinterlassen. Daher werden die Diskussionen unter den Philologen, was den semantischen
Bereich angeht, vor allem aber über ein exaktes Verständnis grammatikalischer
Formen und syntaktischer Grundlagen, sicher weitergehen, auch wenn in Einzelfragen
immer wieder der eine oder andere Punkt geklärt werden kann. In jüngerer Zeit
versucht man beispielsweise durch die Einbeziehung moderner linguistischer Methoden
zu neuen Ansätzen zu gelangen.
Als besonders unbefriedigend wird oft empfunden, daß die tatsächliche Aussprache
des Ägyptischen unbekannt ist. Da nur Konsonanten, nicht aber Vokale, geschrieben
wurden, behelfen sich die Ägyptologen für ihre Zwecke mit einer künstlichen
»Hilfsaussprache«: Man hat einfach vereinbart, die sogenannten Halbkonsonanten
(Aleph , ein Stimmabsatz),
(Ajin, ein tiefer Kehllaut),
j oder jj und w als a, i und u auszusprechen und ansonsten zwischen
anderen Konsonanten jeweils ein e einzufügen. Daneben sind aber einige Spezialisten
inzwischen mit der Rekonstruktion der tatsächlichen Aussprache in vielen Bereichen
vorangekommen. Dies wird einerseits durch Rückschlüsse aus dem Koptischen,
andererseits durch zeitgenössische Übertragungen ägyptischer Worte und vor
allem Namen in Keilschrift ermöglicht. In vielleicht nicht allzu ferner Zukunft
ist hier wohl mit weiteren Fortschritten zu rechnen.
Schreibschriften
Die Hieroglyphenschrift ist vor allem Monumentalschrift, das heißt sie
wurde insbesondere für die Beschriftung von für die Dauer errichteten Monumente
verwendet. Wir finden sie eingemeißelt oder gemalt an den Wänden von Tempeln
und Gräbern, auf Gegenständen der Grabausstattung, auf Stelen aller Art, auf
Schmuckstücken usw. Inhaltlich befassen sich Hieroglyphentexte mit allem,
was auf ewig »festgeschrieben« werden sollte, vor allem religiösen Texten,
historischen und politischen Inschriften und Biographien. In bestimmten Papyrushandschriften
wurden mit Tinte leicht vereinfachte, sogenannte kursive Hieroglyphen geschrieben.
Das berühmte »Totenbuch« wurde beispielsweise in diesem Duktus niedergeschrieben.
Alle Texte von zeitlich begrenzter Intention dagegen wurden
in einer anderen Schrift geschrieben, die Hieratisch genannt wird. Sie ist durch
Verflüssigung der Hieroglyphenformen entstanden, scheint aber nahezu gleichzeitig
mit diesen selbst entwickelt worden zu sein. Beide Schriftarten wurden also
nebeneinander verwendet. Man spricht zu Recht von einer Kursive und könnte zum
Vergleich etwa unsere heutige handschriftliche Schreibschrift im Gegensatz zu
gedruckten Texten heranziehen.
Das Schriftbild hieratischer Texte kann, je nach Textart und
persönlicher Handschrift des Schreibers, sehr viel stärker variieren, als das
bei den Hieroglyphen der Fall ist. Wer schon einmal einen besonders unleserlich
geschriebenen Brief mehr zu erraten als zu lesen versucht hat, kann etwas von
der Herausforderung ahnen, die manche hieratischen Texte für die Ägyptologen
darstellen.
Etwa im 7. Jahrhundert v. Chr. wurde die Schreibschrift noch
weiter vereinfacht und beinahe stenographisch verkürzt. Es entsteht eine dritte
ägyptische Schrift, das Demotische, das nun die Funktion des Hieratischen übernimmt.
Das Demotische wird zur eigentlichen Alltagsschrift, Hieratisch bleibt jedoch
daneben für religiöse Texte in Gebrauch. Diese Situation haben griechische Beobachter
mit den Begriffen »demotisch«, das heißt »Volksschrift«, und »hieratisch«, das
heißt »Priesterschrift«, charakterisiert.

Das Schreiben
Das Papier, auf dem dieses Buch gedruckt ist, geht letztlich auf eine
Erfindung der Chinesen zurück. Und dennoch weist schon das Wort »Papier« darauf
hin, daß die Erfindung eines ungleich vorteilhafteren Schreibmaterials, als
es Stein- und Tontafeln waren, eine weitere folgenreiche Kulturleistung des
Pharaonenreichs war.
Aus den Stengeln der Papyruspflanze (Cyperus papyrus L.) wurden
Streifen geschnitten, die in zwei Lagen, horizontal und vertikal, zusammengepreßt
wurden. Mehrere der auf diese Weise entstandenen Blätter wurden zu Rollen aneinandergeklebt.
Die längste bekannte Papyrusrolle erreicht mehr als vierzig Meter. Üblich waren
jedoch Rollen mit zwanzig Blättern und einer Länge von 1,5 bis 2 m. Die Höhe
der Rollen variiert, oft liegt sie zwischen 16 und 20 cm, das Maximum liegt
bei ungefähr einem halben Meter. Frischer Papyrus war weiß und vergilbte erst
nach langer Zeit zu gelblich-brauner Farbe.
Bevor ein ägyptischer Schreiber den Stift ansetzte, verspritzte
er zunächst aus einem Wassertöpfchen einen Tropfen als Opfer an den Schreibergott
Thot. Dieses Töpfchen hatte er zum Anrühren der trockenen, festen Tinte bei
sich, die mit der Farbe in unseren Malkästen vergleichbar ist. Schwarze Tinte
wurde aus Ruß hergestellt. Rot, aus Ocker oder Hämatit, konnte beispielsweise
für das Tagesdatum oder für die Anfänge neuer Kapitel und - genau wie heutzutage
- zum Korrigieren eingesetzt werden. Aufgetragen wurde sie mit einer dünnen
Binse, von denen ein Schreiber zumeist eine wie ein Statussymbol hinter dem
Ohr parat hatte. Ein Ende des Stengels wurde augenscheinlich zum Schreiben pinselartig
zerkaut. Es gibt allerdings auch die Meinung, daß mit dem anderen, glatten Ende
geschrieben wurde, während die angekaute Seite nicht anders zu erklären sei,
als es bei heutigen Bleistiften der Fall ist.
Der Schreiber saß im »Schneidersitz« auf dem Boden, wobei sein
mit den Knien straffgezogener Schurz die Schreibunterlage bildete. Die Papyrusrolle
wurde nach rechts hin ein Stück weit aufgerollt. Als natürliche Schreibrichtung
ergaben sich dabei ganz von selbst vertikale Zeilen, die einenach der anderen
von rechts nach links aneinandergereiht wurden. Der Nachteil dabei war, daß
bei Rechtshändern die noch feuchte Tinte von der nachzuziehenden Hand verwischt
werden konnte. Während der 12. Dynastie kommen horizontale Zeilen auf, die im
Hieratischen und Demotischen ausnahmslos von rechts nach links verlaufen. Entgegen
unserem Empfinden ist dies die ursprüngliche Ausrichtung aller Schriften. Im
Hebräischen und Arabischen ist sie es bis heute. Natürlich wurden die Zeilen
nicht jeweils über die ganze Länge der Papyrusrolle gezogen, sondern blockartig
untereinander fortgeführt, wobei jeder neue Block links neben dem vorhergehenden
begonnen wurde. War das Ende der Rolle erreicht, konnte sie horizontal gewendet
und auf der Rückseite weiter geschrieben werden. Nach dem Schreiben oder Lesen
mußte eine Rolle wieder zurückgerollt werden, so daß bei einem erneuten Öffnen
wieder der Textanfang als erstes zum Vorschein kam, ähnlich wie bei einem Tonband,
das nach dem Abspielen wieder zurückgespult werden muß.
Quelle: Ägypten, Die Welt der Pharaonen, Könemann, S.342ff.
Religiöse Vorstellungen
Bemerkung:
Die Ägypter hatten eine eigene religiöse Vorstellung, die polytheistisch
war. Auf den Faksimile
der Papyri befinden sich Szenen, die eng mit dieser Theologie verbunden
sind. Smiths eigene Interpretation hat mit der religiösen Welt der Ägypter
nichts zu tun.
Als die Ägypter aus dem Dunkel der Vorgeschichte heraustraten,
zeigten sie schon alle Merkmale der späteren Hochkultur. Nur sehr wenig ist
über die Glaubenswelt der Ägypter im Neolithikum bekannt. Die mutmaßlichen Idole
und die Art der Bestattung deuten auf die gleiche religiöse Vorstellungswelt,
die für alle Kulturen der Frühzeit charakteristisch zu sein scheint. Die Oberhoheit
der Götter wird von der Gruppe, der Keimzelle der menschlichen Gesellschaftsstruktur,
anerkannt und gewünscht. Der Häuptling beziehungsweise später der König übernimmt
die Mittlerrolle zwischen den Menschen und den Göttern. Grabbeigaben deuten
auf den Glauben an ein Weiterleben nach dem Tod hin.
Ägyptische Götter haben angeblich keine Namen gehabt, sondern
seien nach der Terminologie der modernen Religionswissenschaft als Mächte aufgefaßt
worden. Neuere Untersuchungen machen jedoch deutlich, daß gerade die ältesten
Götter des ägyptischen Pantheons solche Namen tragen, die bis zu den Wurzeln
der afro-asiatischen Sprachen zurückverfolgt werden können. Die Götter sind
also nicht nur als »Mächte« angerufen worden, wenn auch eine Göttin Sachmet
(die »Mächtige«) in dynastischen Zeiten nachweisbar ist. In Ägypten verschaffte
die Benennung dem Gläubigen die Verfügbarkeit über das so als »Substanz« erfassbare
Kultobjekt oder auch den Gott. Damit ist die unbenannte »Macht« selbst in frühester
Zeit aus ägyptischer Sicht höchst unwahrscheinlich.
Die allgemeine Bezeichnung »Gott« (altägyptisch: netjer), die in der heutigen
koptischen Liturgiesprache noch als nûti gebraucht wird, ist in ihrer Herkunft
und der Deutung des Schriftzeichens ebenfalls sehr umstritten. Das hieroglyphische
Zeichen
wurde als Standarte des Tempels, als göttliches Machtzeichen
(Axt?) und eingewickeltes Kultobjekt aufgefaßt. Keine der Deutungen kann einer
tiefergehenden Kritik standhalten.
Das ägyptische Pantheon war teils regional, teils überregional
aufgebaut, umfaßt aber grundsätzlich die Götter der Hauptorte Ägyptens. Bekannte
Götter dieser Art sind Horus von Nechen, Seth von Ombos, Sobek von Gebelein,
Min von Koptos, Thot von Hermupolis, Ptah von Memphis, Atum von Heliopolis,
Neith von Sais. Ob all diese Gottheiten in der vordynastischen Zeit schon mit
Vorstellungen der Welt- und Götterentstehung verbunden waren, läßt sich nur
teilweise erschließen. Min hat offensichtlich immer potentielle Schöpferkraft
besessen, bei Ptah und Atum läßt sich die Schöpferkraft nur nach späteren Texten
rekonstruieren. Andere Götter wiederum haben nur sekundär an der Schöpferkraft
teilgehabt.
Manche Götter werden seit der Frühzeit in bestimmten Situationen
erlebt. Diese haben die orale Tradition, die sich um diese Götter gerankt hat,
und ihr späteres Erscheinungsbild wesenhaft geprägt. So hat sich beispielsweise
Seths Ansehen im Lauf der ägyptischen Geschichte ganz unregelmäßig positiv beziehungsweise
negativ verändert. Bis zum Beginn der Spätzeit wird Seth sowohl als kraftvoller
Beschirmer des Sonnengottes als auch als Mörder des Osiris angesehen. Danach
wird er zunehmend mit dem Feind des Sonnengottes identifiziert, was letztlich
zu einer vollständigen Verfemung des Gottes geführt hat. Andere Gottheiten treten
im Laufe der Zeit vollkommen in das Dunkel zurück, wie die Hasengöttin Wenut.
Eine verbindende Rolle wird in der Frühzeit der Licht- und Weltgott Horus übernommen
haben, doch geht dieser Aspekt schon im Alten Reich von Horus auf Re über. Im
Pantheon zeichnen sich in der vordynastischen Zeit, wie aus späteren Reflexionen
zu schließen ist, bereits hierarchische Strukturen ab.
Als Voraussetzung des »theologischen« Denkens der Ägypter wird
im allgemeinen die Vermenschlichung der Götter zum Ende der Vorgeschichte angenommen.
Für diesen Prozeß fehlen grundsätzlich die Beweise. In späteren Zeiten sind
sowohl tiergestaltige Götter als auch menschengestaltige Götter verehrt worden.
Die Erscheinungsform des einzelnen Gottes trägt dabei keinesfalls zu seiner
Bewertung bei. Vielmehr muß mit einer gewissen Fluktuation der Götter und vor
allem mit Akzentverschiebungen in der Götterhierarchie gerechnet werden. Vermutlich
hat es tier- und menschengestaltige Götter auch während der Vorgeschichte gegeben.
Schöne Beispiele dafür sind die »bärtigen Männer« aus der Naqada-II.-Periode
sowie die zahlreichen Tierdarstellungen der prädynastischen und frühdynastischen
Zeit. Menschengestaltige Götter mit Tierkopf sind seit dem Eintritt Ägyptens
in die dynastische Zeit zu beobachten. Sie könnten mit dem Bestreben in Einklang
stehen, die Götterwelt des nun geeinten Ägyptens zu systematisieren. Die wenigen
bildlichen Zeugen erlauben kaum eine weitergreifende Aussage. Man kann annehmen,
daß die Götter in diesem polytheistischen System gleichberechtigt waren und
daß ihre Gegenwärtigkeit in allen nur denkbaren Formen erlebt worden ist.
Der Ort des Kultvollzugs ist in der frühen Zeit ein einfaches, eingezäuntes
Gebäude. Diese Einzäunung unterstreicht die Trennung des Sakralen vom Profanen.
An diesem Platz kann der Gott seinen Wohnsitz nehmen, dort trifft die Götterwelt
auf die Welt der Menschen. Aus der frühen Zeit sind nur Bildzeugen erhalten,
die einen Eindruck vom Aussehen des Orts, aber nicht von der Kulthandlung
vermitteln. Für das letztere können vielleicht Objekte des königlichen Kults
herangezogen werden. Aus Hierakonpolis sind zwei Köpfe von Paradekeulen erhalten,
von denen die des Reichseinigers Narmer das Festgeschehen während des »Dreißigjahrsfestes«
zeigt. Dieses Fest dient der kultischen Verjüngung des gealterten Königs nach
einer langen Regierungszeit von 30 Jahren.
Während der prädynastischen Zeiten hat der Häuptling und später
der König die Mittlerrolle zwischen den Menschen und den Göttern übernommen.
In ihm verkörpert sich wohl auf Zeit der Falkengott Horus, der »Ferne«, der
Herr des Lichtes und der Welt. Der Träger des Charismas hält die Welt in Gang
und muß sie jährlich neu formen. Er hat auch die notwendigen kultischen Zeremonien
zu vollziehen; denn ohne Opfer entzieht der Gott dem Bittenden seine Gunst (do-ut-des-Prinzip).
Das Ritual für eine Gottheit ist je nach Charakter als Verehrung, Motivation
zur Tat und Beschwichtigung ihres Zorns zu denken. Bei der späteren Systematisierung
der Götterwelt wird der Horuskönig zum jeweils jüngsten Mitglied der Götterdynastie.
Tritt der Horuskönig in einem Festzusammenhang auf, wird er von
Göttern auf Standarten begleitet. Diese Götter dürfen mit den Lokalgöttern
identifiziert werden, die den Horuskönig dienend begleiten, was unter dem
Begriff »Horusgeleit« zu verstehen ist. Mit dem Dienst sichern die einzelnen
Gottheiten dem Horuskönig die notwendige Macht, erhalten aber ihrerseits von
ihm den erwünschten Schutz. In die Vorstellungswelt um den Horuskönig ließ
sich der verstorbene Horus kaum einfügen. Die Frage, wohin der verstorbene
Horus gelangt, ist noch nicht gelöst. Es ist jedoch kaum anzunehmen, daß in
prädynastischer Zeit die Vorstellung vom toten Gott Osiris schon lebendig
gewesen ist. Andererseits erlauben Skelette von jungen Menschen in den Königsgräbern
der 1. Dynastie, deren Fundlage nicht auf einen natürlichen Tod hinweist,
den Schluß, daß diese Menschen lebendig eingemauert worden sind. Wahrscheinlich
hat der verstorbene König seinen Haushalt in das Jenseits mitgenommen. Der
Übergang vom Leben zum Tod wurde als Weggang verstanden: „Du bist nicht
tot gegangen, du bist lebend gegangen“, versichert der Priester in den
etwas späteren Pyramidentexten dem verstorbenen König.
Jenseits-Vorstellungen
Über das im Mittleren Reich vorgestellte Jenseits des Königs ist sehr
wenig bekannt. Die Könige wurden in Pyramiden begraben, die sich südlich der
alten Metropole Memphis bis ins Fajjum hinziehen. Sesostris II. aus der 12.
Dynastie scheint eine wesentliche Neuerung eingeführt zu haben, als er den
Zugang zu seiner Pyramide von der üblichen Nordseite auf die Südseite verlegen
ließ, doch das ist nicht entscheidend, sondern die Ausbildung des Gang- und
Kammersystems im Zentrum der Pyramide. Dieses wurde mit einem Osirisgrab verglichen,
was die Identität des Königs mit dem Totengott Osiris unterstützen soll. Bei
den Festen, die im Totentempel der Könige gefeiert wurden, wird namentlich
jedoch nicht auf Osiris, sondern auf Sokar, den Totengott der Nekropole von
Saqqara, Bezug genommen. Allerdings werden zwischen den Festen die »Große
Prozession« und das Wagi-Fest aufgeführt, die beide zu den grundlegenden abydenischen
Festen gehören. Das im Neuen Reich formulierte Ziel des toten Königs ist die
sich ständig erneuernde Welt des Sonnengottes. Da Re und Osiris, seit dem
Mittleren Reich greifbar, wie zwei Schalen einer Kugel gesehen werden, ist
die doppelte Orientierung des Königs zum Sonnengott und zum Totengott auch
von der Natur des lebenden und toten Königs her verständlich. Die Ägypter
scheinen diesem schon auf das Alte Reich zurückgehenden Gedankengut nur immer
neue Varianten hinzugefügt zu haben, ohne daß die alten Vorstellungen letztendlich
zurückgezogen wurden.
Bei den Privatleuten wird der Wunsch spürbar, zunächst die
Rolle des Horus, des »liebenden Sohnes«, der seinen Vater Osiris pflegt und
rächt, zu übernehmen. Die Entwicklung wird allgemein als Demokratisierung des
Totenreichs gesehen; dieser Begriff muß aber in sehr engen Grenzen verstanden
werden. Denn als Teilhaber an diesem Vorgang müssen zunächst die Beamten gesehen
werden, denen der König die Versorgung im Jenseits garantiert. Sie erhalten
als Tote den Beinamen (Epitheton) »gerechtfertigt«, der ursprünglich dem Horus
gebührt. Dieses Epitheton ist offensichtlich die gedankliche Brücke zu Horus,
dem Sohn, dem Rächer seines Vaters.
Im Jenseits muß sich der nichtkönigliche Tote einem Gericht
stellen, das seine irdischen Taten gegen die Maat abwägt. Nach überstandener
Prüfung gesellt sich der Tote zu den Seligen, die auf der »Feuerinsel« leben.
Der Tote bedarf jedoch einer »Landkarte«, um sich in dem Gewirr von Kanälen
und Feuerseen zurechtzufinden. Daher war auf dem Boden der Särge, deren Wände
mit magischen Sprüchen (Sargtexte) und Abbildungen von Grabbeilagen versehen
waren, zuweilen die Landkarte der seligen Gefilde dargestellt.
Quelle: Ägypten, Die Welt der Pharaonen, Könemann, S.417ff.
Altägyptische Götter
Bemerkung:
Die Interpretation der Ägyptologen von Faksimile 1 zeigt, dass die
dargestellte Szene mit ägyptischen Göttern zu tun hat. Darunter Osiris, Anubis,
Isis und Horus.
Amun
- Amun Re, Anubis, Anuket,
Apis, Aton,
Atum, Bastet,
Bes, Chepre,
Chnum, Chons,
Geb, Hapi,
Hathor, Horus,
Horussöhne, Isis,
Maat, Min,
Month, Mut,
Nechbet, Nefertem,
Neith, Nephthys,
Nun, Nut,
Osiris, Ptah,
Re - Re Herachte, Sachmet,
Satet, Schu,
Selket, Seschat,
Seth, Sobek,
Sokar, Tefnut,
Thoeris, Thot,
Uto, Werethekau
Amun, Amun Re
Dieser Gott begegnet uns in Menschengestalt, mit hoher Federkrone. Er
galt seit dem Mittleren Reich als Lokalgott von Theben. "In der 21. Dynastie
wurde ihm ein eigener Gottesstaat in Theben errichtet. Von da an war seine
Funktion als Hochgott bis zur Eroberung Ägyptens durch Alexander den Großen
gesichert, der sich vom Amun-Orakel in der Oase Siwa als Sohn des Gottes bestätigen
ließ."* Amun Re galt als König der Götter, als Garant der kontinuierlichen
Erneuerung der Welt und als Herrscher der irdischen und himmlischen Sphäre.
Anubis
Anubis begegnet uns in anthromorpher Gestalt mit den Kopf eines Jackals.
Anubis galt seit der Frühzeit als Schutzgott der Nekropolen, Wächter der Geheimnisse,
Balsamierungsgott und Totenrichter. Der Legende zur Folge, lag Anubis
bei der Mumifizierung des verstorbenen Pharaos selbst Hand an.
Anuket
Jedes Jahr, als die Überschwemmung des Nils einkehrte, wurde Anuket verehrt.
Außerdem galt Sie als Herrin der südlichen Grenzgebiete. Anuket begegnet
uns in menschlicher Gestalt mit hoher Schilfkrone.
Apis
Apis ist als Königs- und Fruchtbarkeitsgott zu betrachten. Bei diesem
Gott beginnt sich sie ägyptische Götterwelt zu verzweigen, obwohl er schon
seit der Frühzeit verehrt wurde. Apis wurde direkt mit dem Stier verbunden
und so erscheint er auch als Statue oder auf Reliefs. Wenn ein Stier
starb wurde er mit der gleichen Würde und Sorgfalt mumifiziert wie ein Pharao
auch. In der Ptolemäer Zeit wurden Apis und Osiris gleichzeitig verehrt,
und so entstand ein neuer hellenistischer Gott mit den Namen Serapis.
Aton
In der Amarna Epoche galt Aton als einziger Gott Ägyptens. Aton
wurde als Sonnenscheibe mit langen Strahlen dargestellt, deren Enden als Menschenhände
gestaltet waren. Aton war ein Produkt des jungen Amenophis IVs, der
die ägyptische Religion verabscheute und somit seine eigene schuf. Aton
galt als „Licht des Tages“, das Menschen und Tiere belebte.
In den letzten Regierungsjahren von Echnaton (besonders in Darstellungen zu
erkennen) wird Echnaton mit Schöpfergottqualitäten dargestellt, was in Klartext
heißen würde, das Echnaton sich selbst als Aton’s irdischer Vertreter
angesehen hatte, und nicht als „Sohn des Aton“, wie es die Theologie
vorschreiben würde.
Atum
Atum gilt als der Schöpfer schlechthin (nicht mit Chnum und seine Töpferscheibe
zu verwechseln). Der Name Atum kann man als „nicht sein“
oder „vollständig sein“ deuten. Aufgrund der ursprüngliche
Schöpfungssituation wurde diese Doppeldeutigkeit bewusst gewählt. Atum
hat khemet (Ägypten) erschaffen. Er entstand aus dem Urgewässer, er
brachte die Elemente und Seinsformen der Schöpfung hervor. Dabei
wurde Luft, Feuchtigkeit, Himmel und Erde geschaffen. Auch die Schöpfung
des Dies und Jenseits wurde von Atum vollbracht. Die Tränen und Schweiß
des Gottes galten als Götter und Menschen. Atum begegnet uns in menschlicher
Form mit der königliche Doppelkrone. In Heliopolis wurde Atum auch als
„abendliche Form des Sonnengottes“ aufgefasst.
Bastet
Bastet begegnet uns entweder in Menschengestalt mit einem Katzenkopf oder
in Gestalt einer Katze. Ursprünglich war Bastet in der Gestalt eines
Löwen abgebildet. Bastets Hauptkultort war Bubastis, später auch in
Memphis (seit dem Alten Reich). Bastet gilt als die Tochter des Schöpfergottes
Atum. Das Wesen der Gottheit entsprachen auch ihr „Zuständigkeits“
Bereich: Liebenswürdig und Wildheit sind die Eigenschaften der Katze
und somit auch die des Bastet. Ebenfalls würde Bastet als Schutzgöttin
verehrt. Bastet galt als sehr Zauberkundig, besonders in der griechisch
– römischen Epoche wurden ihr unzählige Katzenbronzen geweiht.
Bes
Bes ist einer der ältesten Schutzgottheiten. Abgebildet wird er
als Mensch in kleinwüchsiger Gestalt mit ein Fratzenhaftes, Furchteinflössendes
Gesicht mit Vollbart (Götterbart). Bes war seit dem Alten Reich ein
sehr beliebter Gott, denn seine Zauberkräfte schützen vor Krankheit und Gefahren.
In Zusammenarbeit mit der Göttin Hathor wachte er über Sexualität und Geburt.
Zudem galt Bes als Gott der Freude und des Tanzes. Wie in der Christlichen
Welt die Menschen als Zeichen der Frommheit und den Wunsch nach Göttlichen
Schutz das Kreuz (als Amulett) trugen, so trugen auch die alten Ägypter kleine
Amulette des Gottes, die Ihnen Schutz bringen sollten.
Chepre
Chepre ist eine Gottheit die uns in zwei verschiedenen Gestalten begegnet.
Zum ersten begegnet er uns in der Gestalt eines Skarabäus, und zum zweiten
(so wurde er in den wenigsten Fällen abgebildet) in Menschengestalt, dessen
Kopf als Skarabäus dargestellt worden war. Chepre war der Gott der zyklischen
Erneuerung und des täglichen Wiedererstehens der Sonne. Im alten Ägypten
hatte der Sonnenlauf drei Phasen: Die ersten Phase, den Morgendlichen
Sonnenaufgang, war Chepre zugeschrieben. Die zweite und dritte Phasen
des Sonnenlaufes („Die Stunden des Tages“ und den „Abend“)
wurden andere Gottheiten zugeschrieben, in diesem Fall Re (Tageszeit) und
Atum (Abend)
Chnum
Der Schöpfer der Lebewesen. Auf seine Töpferscheibe formte er den
Körper und dessen Seele, die Ka. Dargestellt wird Chnum in menschlicher
Gestalt mit dem Kopf eines Widders. In einigen Zeitepochen wurde er
auch als Widder dargestellt. Zusammen mit Anuket und Satet war sein
Hauptkultort neben Elephantine Esna. Chnum wurde nicht nur als Schöpfer
der Lebewesen verehrt, sondern auch als Gott der Fruchtbarkeit des Landes.
Chons
Mit dem Gott Chons müssen wir acht geben, damit er nicht mit Osiris verwechselt
wird. Besonders in der Darstellung der beiden Götter weisen sie
starke Ähnlichkeiten auf. Chons wird als jugendlicher Mann in Mumienform
dargestellt, mit Steinlocke und Mondsymbol auf dem Kopf. Chons verstand
man als Unheilbringer sowohl auch als Schutzgott, was in Verbindung mit der
wandelnden Gestallt des Mondes in Verbindung stand. In späteren Epochen
galt er als Herr der Lebenszeit sowie Orakel und/oder Heilgott.
Geb
Geb war eine der vier Götter des Schöpfungsmythos, der von Atum erschaffen
wurde. Geb wird in Menschengestalt dargestellt. Zusammen mit Nut
(der Himmel), Schu (die Luft) und Tefnut (die Feuchtigkeit) bildete er den
Raum, indem der Sonnengott den zyklischen Gang der Zeit setzen konnte.
Geb galt in der Ägyptischen Religion außerdem als erster irdischer Herrscher
(in der Legende) und stand somit für die göttliche Rechtmäßigkeit des Königtums.
Hapi
Hapi galt als der Nilgott, und verkörperte die Fruchtbarkeit durch die
regelmäßige Überschwemmung des Nils (Ackerlandes). Hapi wurde als korpulenter
Mann mit weiblichen Brüsten und Papyruskrone abgebildet. Hapi nahm eine
Multifunktion in der Göttertriade ein, anstelle von Horus und Seth konnten
zwei Hapifiguren Ober und Unterägypten (symbolisch) für den Pharao vereinen.
Durch diese Darstellung wurde die Versorgung des Landes sichergestellt.
Hathor
Hathor ist wohl eine der bekanntesten ägyptischen Gottheiten. Abgebildet
wurde sie in der Gestalt einer Frau. Sie trug eine Krone die aus Kuhhörnern
bestand, zwischen den beiden Hörnen war die Sonnenscheibe dargestellt.
Hathor war eng mit dem Königsgott Horus verbunden, weil ihr Name auf das „Haus
des Horus“ verweist. Hathor galt als Königsgöttin, sowie auch
die Muttergottheit, Schutzherrin bei der Geburt, Liebesgöttin, Göttin der
Regeneration sowohl als auch „Auge der Sonne“ und „Auge
des Mondes“ Hathor war mit zahlreichen Mythensystemen verbunden
und in vielen Kultorten des Landes verehrt, unter anderen Dendera (Hauptkultort)
und Edfu
Horus
Horus ist der Gott in Falkengestallt. Mit sein Name, „der
Ferne“ benannte man eine Vielzahl verschiedenster falkengestaltiger
Königs- und Himmelsgötter. Die Pharaonen wurden als Horus in irdischer
Gestalt angesehen (als göttlicher Horus), sie waren somit in das kosmisches
Geschehen eingebunden. In der Osiristheologie wird Horus als Sohn von
Isis und Osiris angesehen. Horus ist der rechtmäßiger Erbe des Osiris.
Mit Horus wird die Weltordnung verbunden, aber auch das Chaos der elementaren
Schöpfung. In späteren Epochen übernahm Horus alle mythischen und magischen
Aspekte des Königtums.
Horussöhne
Die Horussöhne begegnen uns zum größten Teil in den Gräbern der Pharaonen
und Beamten. Die vier Horussöhne Amset in Menschengestalt, Duamutef
in Menschengestalt mit Schakalskopf, Hapi in Menschengestalt mit einen Paviankopf
und Kebehsenuef in Menschengestalt mit einen Falkenkopf galten als Schützgottheiten
über die Eingeweide. Je nach Zeitepoche wurden die vier Söhne entweder
auf die Kanopenkrüge dargestellt oder deren Figur wurde als Deckel der Krüge
dargestellt. Alle vier gemeinsam sicherten die Regenerierung des Verstorbenen
und schützen ihn vor Gefahren.
Isis
Isis ist in Ihrer Gestalt Hathor sehr ähnlich. Auch sie ist in weiblicher
Gestalt mit der Sonnenscheibe zwischen zwei Kuhhörnen auf ihren Kopf abgebildet.
Allerdings wird Isis mit ihrer Namens Hieroglyphe, dem Thronsitz, abgebildet.
Isis stand für die Königliche Macht, weil sie sich als Gemahlin des Osiris
und Mutter des Horus hervorgebracht hatte. Damit verknüpft sie das Dies
und Jenseits miteinander. Auch wurde Isis als Mutter und Totengöttin
verehrt. Isis besaß wohl nie einen eigenen Kultort, wird aber mit dem
Aufstieg des Osiriskultes verbunden. Isis wurde während der gesamten
ägyptischen Geschichte verehrt und sogar darüber hinaus. Isis wurde
im gesamten römischen Reich verehrt. In der Spätzeit wurde ihr auf der
Insel Philae einen Kult geweiht, der sich bis in 6 Jahrhundert nach Christus
nachweisen lässt.
Maat
Maat war einer der wichtigsten Götter des alten Ägypten schlechthin.
Besonders in der 19 und 20 Dynastie wurde er besonders stark verehrt,
wie man in den Thronnamen der Pharaonen erkennen kann. Usermaatre, Nebmaatre
und so weiter. Besonders die Ramesiden nutzen Maat häufig als ihren
Schutzgott beziehungsweise Namensgeber. Der Göttin Maat wurde in weiblicher
Gestalt dargestellt, mit einer Feder auf dem Kopf. Sie ist der Inbegriff
und Personifikation des Prinzips, das Prinzip der strukturierten Welt (die
Weltordnung), der Ausgewogenheit für ethische Rechte, der Gerechtigkeit, der
Schöpfungskraft und der Kultur. Maat war somit das Gegenpol zu allem
was wild, zerstörerisch, ungerecht und untergeordnet aber mächtig war.
In der Weltordnung war Maat mit dem Pharao sehr eng verbunden (lesen Sie bitte
mehr dazu in einen anderen Kapitel). Maat konnte erst in dem Neuen Reich
ein Kultort nachgewiesen werden, und zwar in Karnak und Memphis gemeinsam
mit den Reichsgöttern.
Min
Min ist einer der frühesten namentlich nachweisbaren Göttern des alten
Ägyptens. Min gilt als Fruchtbarkeitsgott und wird dementsprechend dargestellt:
ein ungegliederter Körper mit aufgerichtetem Phallus, hoch erhobenen Arm,
in der Hand hielt er eine Geißel und eine Federkrone auf dem Kopf. Als
„Stier seiner Mutter“ (Kamutef) erhielt der die Qualität der Schöpfergötter.
Month
Month galt als der Kriegsgott des alten Ägypten (ursprünglich als Königsgott
verehrt). Abgebildet wurde er in der Gestalt eines Mannes mit Falkenkopf,
Federkrone, Sonnenscheibe und zwei Uräusschlangen über der Stirn.
Da er Kriegsgott war stand er dem Pharao während dem Krieg zur Seite.
Seit dem Mittleren Reich wurde ihn ein Stierkult zugeordnet, der das kämpferische
Element des Gottes stärken sollte.
Mut
Mut begegnet uns in Menschlicher Gestalt mit Geierhaube und Doppelkrone,
und war direkt von Amun abhängig. Gemeinsam mit Amun und ihren Sohn
Chons bildete sie die Thebanische Triade. Ihre Name bedeutet Mutter
und verweist auch auf diese Rolle. In Ihren Kultplatz in Karnak erschien
sie in Löwengestalt. Sie war eng mit andren Geier und Löwengöttinnen
verbunden, wie zum Beispiel Sachmet, Bastet, Nechbet oder Uto.
Nechbet
Nechbet stellt in der Götterhochzeit oder in den Stillen des königlichen Kindes
eine sehr wichtige Gottheit dar. Abgebildet wurde sie in weiblicher
Gestalt mit Geierhaube oder als Geier. Sie trug bevorzugt die weiße
Krone Oberägyptens (als Kronengöttin). Wie bei der Göttin Mut bestanden
enge Verbindungen zu andere Gottheiten wie Uto, Mut und Tefnut. Ihr
Hauptkultort war Elkab.
Nefertem
Nefertem besaß eine besonders enge Beziehung zum Sonnengott, mit dem er
eine Wesensgemeinschaft eingehen konnte. Nefertem wurde in einer Lotusblume
verehrt und galt als „Lotusblume an der Nase des Re“ oder „große
Lotusblüte, die aus dem Urozean erscheint“. Ebenfalls galt er
als jugendliches Sonnenkind. Zusammen mit Ptah und Sachmet bildete er
eine Göttertriade. Dargestellt wurde Nefertem meistens in menschlicher
Gestalt mit dem Symbol der Federbekrönten Lotosblüte über den Kopf.
Neith
Neith galt als alte Kriegs und Jagdgöttin. Im Alten Reich wurde
sie im memphitischen Raum als königliche Schutzmacht verehrt. Neith
wird in weiblicher Gestalt mit Unterägyptischer Krone dargestellt. Neben
ihre Abbildung fand man meistens noch ihr Symbol, ein Schild gekreuzt mit
Pfeilen. Neiths Kultort war im Sais Delta, wo sie später besonders populär
wurde, weil die Könige in dieser Epoche (26 Dynastie) von dort stammten.
Zu späteren Zeiten wurde sie in Esna sogar als Schöpfergottheit verehrt.
Nephthys
Nephthys war die Tochter von Geb und Nut, damit auch die Schwester der Götter
Osiris, Seth und Isis. Nephthys finden wir häufig im Totenkult wieder,
sie war es, die zusammen mit Isis den Verstorbenen beweinte, Schütze
und Wiederbelebte. Auch war ihre Funktion als einer der Kanopengöttinen
sehr wichtig. Die bekannteste Darstellungsform von Nephthys ist in weiblicher
Gestalt mit Flügelarmen. In den meisten Fällen wurde sie mit ihrer Namenshieroglyphe
auf dem Kopf dargestellt.
Nun
Mit Nun sind sehr viele Legenden verbunden, besonders die der Weltschöpfung.
Nun war die Personifikation des Urgewässers, aus dem bei der Weltschöpfung
das erste Land, bekannt als der Urhügel, emporstieg. Nun wurde sehr
selten abgebildet. Ich bin aber der Meinung, dass man Nun in der Gestalt
eines Frosches wiedergab.
Nut
Nut ist die Himmelgöttin. Die Göttin wurde sehr häufig in den Gräbern
abgebildet, als einer nackten Frau, deren Körper sich über der Erde wölbt.
Die Zehen und Fingerspitzen der Göttin berühren dabei den Boden. Durch
den Leib der Göttin vollzieht sich der Lauf der Gestirne, und besonders der
der Sonne, die jeden Morgen erneut geboren und am Abend wieder verschlungen
wird. In gefundenen Texten heißt es: >>Ihr Hinterteil
ist im Osten, Ihr Kopf im Westen<< oder >>Die Sonne erscheint
zwischen den Schenkeln der Nut<<
Osiris
Osiris ist einer der wichtigsten Götter, die es gab. Bevor ich beginne,
die Beschreibung des Osiris zu erläutern, möchte ich Ihnen die Legende seiner
Entstehung als Ehrbarer Gott erzählen:
Der Gott Re schuf mit Atum das Land Khemet. Re war ein
Lebensfreudiger Gott, und laut einer Pyramideninschrift, die um 2200 vor Christus
niedergeschrieben wurde, heißt es:
"Der Gott legte Hand an sich selbst, er dehnte den Phallus aus mit
eigener Hand, er machte sich ein Vergnügen mit seinen Glied, und es wurden
geboren die Zwillinge Schu und Tefnut."
Im der Welt der ägyptischern Götter war die Geschwisterliebe ein Gebot (so
als später auch in den Königsfamilien), denn nur so konnten die „Heiligen
Säfte“ erhalten werden. Also vereinten sich Re, Schu und Tefnut.
Das Ergebnis aus diesen „Vereinigungen“ waren die Töchter Isis
und Nephthys, sowie die Söhne Osiris uns Seth.
Nach dem irdischen ableben des Re, übernahm der ältere Bruder, Osiris, die
Macht. Osiris war schön, klug und zärtlich. Sein Bruder war das
Gegenteil, er war Faul, böse und brutal. Seth war auf seinen Bruder
eifersüchtig, weil Osiris stets von der schönen Isis begattet wurde, während
Seth stets die unattraktive Nephthys begatten durfte. Also nahm Seth
Rache.
Seths Rache war listig und gemein. Während eines Festmahls bot Seth
seinen Bruder als Geschenk einen Sarkophag an, mit der Voraussetzung, das
Osiris hinein passen würde. Gutgläubig machte Osiris die Probe.
Doch Seth war listig und wollte nichts anderes, als die Macht an sich zu reißen.
Als sich Osiris in den Sarkophag hineinlegte, schlug Seth den Deckel zu und
verriegelte ihn. Die Truhe warf Seth in den Nil, und riss die Macht
und die Felder Osiris´ an sich. Tage später fand die Schwester Isis
den gestrandeten Osiris schließlich, aber Seth entriss ihn ihr und zerstückelte
ihn in 13 Teilen, die er im ganzen Land verstreute. Das 14 Teil, seinen
Penis, warf er ins Meer, wo ihn ein Fisch sogleich verspeiste.
Isis machte sich auf den Weg und sammelte alle Körperteile wieder ein, bis
auf seinen Penis. Der Gott Anubis nähte seine Körperteile wieder zusammen
und balsamierte ihn. Osiris wurde dann von Isis und Nephthys wiederbelebt:
>>Du hast deinen Kopf wiederbekommen, du hast deinen Körper wieder
zusammen, man hat dir deine Venen zurückgegeben.<< >>Komm
in dein Haus! Schau mich an, ich bin deine Schwester, die du liebst.
Entferne dich nicht von mir! Geh auf die zu, die du liebst, komm zu
deiner Frau. Die Götter und die Menschen beweinen dich gemeinsam.<<
Mit Isis zeugte er dann einen Sohn, der die Name Horus tragen wird.
Von diesen Tage an wurde Anubis als Gott der Mumien verehrt, und Osiris als
Gott der Ernte. Ebenfalls gilt Osiris als oberster Totenrichter.
Abgebildet wurde Osiris entweder stehend in der Form einer Mumie mit grüner
Hautfarbe und aufgerichtetem Phallus. Am Haupt trug er die Atef Krone,
in den beiden Händen Krummstab und Geißel, am Kinn trug er den Götterbart.
Die zweite Darstellungsform stellte Osiris mit dem selben Insignien dar, allerdings
ohne aufgerichtetem Phallus, er sitzt in einem Thron. Sitzend wurde
er am häufigsten in Szenen aus dem Totengericht abgebildet.
Ptah
(Gesprochen Petach) Ptah wird in der Form einer Mumie mit eng anliegende
Haarkappe und einen Kompositzepter in den Händen dargestellt. Er galt
als Schutzpatron der Handwerker und Künstler. Zusammen mit Amun und
Re gehörte er zur großen Reichstriade. In der Memphitische Theologie
wird er als Schöpfergott angesehen.
Re, Re Herachte
Auch Re beziehungsweise Re Herachte war einer der wichtigsten Götter.
Re war nicht nur ein Gott mit Multifunktionen, sondern auch ein Kultsymbol.
Am häufigsten begegnen wir Re in der Titulatur* des Pharaos wieder (Sohn des
Re). Dargestellt wurde Re in der Gestallt eines Mannes mit dem Kopf
eines Falkens. Er galt als die kosmische Größe der Ägyptischen Götterwelt.
Er steht für die Vorstellung des zyklischen Sonnenlaufes, den der Gott in
seiner Barke im 12 Stunden Rhythmus vollzieht (12 Tagesstunden und 12 Nachtstunden),
also die ewige Wiederholung der Schöpfung. Re hatte viele Kultorte,
der wohl wichtigste und berühmteste ist in Heliopolis (Heiligtum des Re Herachte,
erbaut von Ramses II). Andere Kultorte waren Heliopolis, wo man die
Sonnenheiligtümer finden wird, (bei Abusir). Das Kultsymbol des Re waren
die Obelisken, deren Spitzen zur damaligen Zeit vergoldet waren, und wurden
als Sitz des Sonnengottes definiert.
Sachmet
Sachmet finden wir in weiblicher Gestallt mit Löwenkopf wieder.
Gemeinsam mit Ptah und ihrem Sohn Nefertem bildeten sie eine Götterfamilie.
Ebenfalls gab es enge Beziehungen zu der Göttin Mut. Um der Göttin Sachmet
ist auch eine Legende entstanden, die besagt, Sachmet habe die Feinde des
Osiris und Isis vernichtet, Seth also. Als Göttin wurde Sachmet als
Schutzgöttin des Krieges verehrt, sie unterstützt den König bei dem Kampf
gegen die Landesfeinde.: >>Seine (Amenophis III) Pfeile fliegen
hinter den Feinden her, wie die der Sachmet<< “.
Sachmet galt nicht nur Schutzgöttin des Krieges, sondern auch als Schutzpatronin
der Ärzte und Heilkunst. Ihr Name bedeutet „die Mächtige“.
Satet
Satet wird in weiblicher Gestalt mit oberägyptischer Krone, aus der aufragende
Gazellenhörner hinausragen, abgebildet. Satet galt als eine Kataraktgottheit,
sie bewachte die Südgrenze des Landes. Da ihr Hauptkultort in Elephantine
lag, galt sie ebenfalls als Spenderin des >>kühlen Wassers das aus Elephantine
kommt<<. Gemeinsam mit Anuket und Chnum bildete Sie eine Göttertriade.
Schu
Schu wurde als Luftgott angesehen. Im Schöpfungsmythos trennte er
Himmel und Erde, nachdem er gemeinsam mit seiner Schwester Tefnut aus dem
Mund des Atum geboren wurde.
Selket
Selket wurde meistens als ein Skorpion dargestellt, es gab jedoch Ausnahmen
indem sie in Weiblicher Gestalt mit einen Skorpion als Kopf, oder einen Skorpion
über ihren Kopf erschien. Selket spielte ebenfalls im Totenkult eine
wichtige Rolle. Zusammen mit Neith, Nephthys und Isis schütze
sie den mumifizierten Leib sowie dessen Eingeweide.
Seschat
Seschat ist eine recht geheimnisvolle Göttin. In ihren Beinamen,
„Herrin der Grundpläne und Schriften“, wird ihr Charakter beschrieben.
Ebenfalls galt sie als die Sachwalterin der Rechen und Schreibkunst.
Bei der Krönung verzeichnete Seschat die Regierungsjahre und Jubiläen des
Herrschers. Darüber hinaus war Seschat in der Tempelgründung eingebunden,
konkret in der Festlegung des Grundrisses.
Seth
Seth wird als Sturm und Wettergott bezeichnet, häufig mit der Beiname
„Herr der Wüste und der Fremdländer“. Es ist sehr umstritten,
welches die zoologische Bestimmung des Sethtieres ist, in frühen Abbildungen
wird er jedoch häufig mit dem Kopf eines Hundes oder Wolfes abgebildet.
Seth vertrat ebenfalls das Chaos und das wilde Element. Laut der Legende
(siehe Osiris) kämpfe er nach der Ermordung seines Bruders mit Horus um die
Herrschaft. Anderseits war Seth auch gemeinsam mit Horus als gleichberechtigter
Schutzgott des Königs ( z. B. der Pharao Seth – Peribsen). Auch
bei der Krönung des Herrschers spielte Seth eine wichtige Rolle, er überreichte
gemeinsam mit Horus die Wappenpflanzen der beiden Länder den künftigen Herrscher,
und verknüpften so die symbolische „Vereinigung der Beiden Länder“.
Sobek
Sobek erschien in zwei Gestalten. Entweder in reiner Tierform als
Krokodil, oder in Menschengestalt mit dem Kopf eines Krokodils.. In
einigen seinen Kultorten, wie zum Beispiel Schedet (Krokodilopolis) wurde
Sobek als Schöpfergott verehrt.
Sokar
Sokar war ursprünglich der Totengott von Memphis, galt aber in Später
Zeit als Herr des Totenreiches. Der Gott hatte enge Beziehungen zu Ptah
und Osiris, und bis in die Spätzeit hinein wurde er als Ptah-Sokar-Osiris
(eine Gottheit) verehrt. Sokar begegnet uns in der Form eines Falken
oder in Menschlicher Gestalt mit den Kopf eines Falkens.
Tefnut
Zusammen mit dem Luftgott Schu bildete die Löwengestaltige Tefnut in der
Weltschöpfungslehre das erste Götterpaar. In einigen Mythenkreisen erhielt
Tefnut einen ausgesprochen starken kosmischen Charakter.
Thoeris
Thoeris galt als die Muttergöttin. In Verbindung mit Isis und Hathor
war sie ebenfalls Schutzpatronin stillender und gebärender Mütter. Abgebildet
wurde Thoeris als schwangeres Nilpferd mit herabhängenden Brüsten und Löwentatzen.
Thot
Thot war ebenfalls ein sehr wichtiger Gott in der ägyptische Religion.
Thot galt als Mondgott, er war zuständig für das Kalenderwesen, die Zeitrechnung
und der Mathematik. Bei der Königskrönung schrieb er dessen Name auf
die Blätter des heiligen Isched Baumes. Er galt als Erfinder der Schrift
und Sprache, war Hüter der göttlichen Ordnung und der Rituale und des geheimen
Wissens. Die Schreiber ernannten ihn zu ihren Schutzpatron. Beim
Totengericht war es Thot, der das Ergebnis für den Verstorbenen protokollierte.
Dargestellt wurde Thot als Mann mit dem Kopf eines Ibises oder in reiner tierischer
Gestalt, und zwar als Ibis.
Uto
Auch bekannt als Wadjet. Uto war die Schutzgöttin von Unterägypten.
Zusammen mit Nechbet waren sie die „Beiden Herrinnen“, die den
König Schutz verliehen (siehe auch die Königliche Titulatur). Uto wurde
als Schlange dargestellt, und begleitete stets den Pharao. Als Bestandteil
des königlichen Ornates begleitet Uto stets den Pharao.
Werethekau
Werethekau galt als Kronen und Schlangengöttin. Die „Zauberreiche“
trat häufig als Frau mit dem Kopf eines Löwen auf. Sie war seit dem
Neuen Reich bei der Krönung des neuen Herrschers anwesend, den sie ihren Schutz
verlieh. Ebenfalls war es Werethekau, die das königliche Kind nährte.
Quelle: Ägypten, Die Welt der Pharaonen, Könemann, S. 522f.
Zeittafel
Bemerkung:
Die Joseph-Smith-Papyri werden auf eine Zeit nach 500 v. Chr. datiert
(Spätzeit). Papyrus I bspw. stammt aus einer Zeit zwischen 50 v. Chr. und
50 n. Chr.
Abraham lebte um 2000 Jahre v. Chr.
|
Zeit |
Dynastie
|
Herrscher |
Ereignisse |
![]() |
| Neolithikum:
5000–4000 v.Chr. / prädynastische Zeit: um 4000–3300 v.Chr. |
| 5000 – 3032
um 4000–3300 |
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|
![]()
|
Erste Niederlassungen in Ober- und Unterägypten.
Negade-Kulturen. |
| präthinitische
Periode |
| um 3300–3032 |
0. Dynastie
|
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|
Etwa 20 lokale Herrscher in Oberägypten.
Königsgräber in Abydos. |
| Thinitische Periode – Frühzeit |
| um 3000 – 2670 |
1. + 2. Dynastie |
Menes (Narmer) |
KULTURELL: Königsgräber in Mastaba-Form.
Erfindung von Hieroglyphenschrift und Kalender.
POLITISCH: Vereinigung von Ober- und Unterägypten – Narmer-Palette.
Memphis wird Hauptstadt. |
| Altes Reich |
| um 2670 – 2600 |
3. Dynastie |
Djoser |
KULTURELL: Pharao als Haupt der Priesterschaft.
Imhotep erbaut für Djoser die Stufenpyramide von Sakkara. Lebensgroße
Sitzstatue Djosers.
POLITISCH: Militärische Expeditionen auf die Sinaihalbinsel.
Kanzler Imhotep ist Priester, Arzt und Baumeister. |
| um 2600 – 2475 |
4. Dynastie |
Snofru,
Cheops, Chephren, Mykerinos |
KULTURELL: Knickpyramide bei Dahschur
für Snofru. Pyramiden von Gizeh. Dioritstatue des Königs Chephren.
Stele des Mykerinos. Beamtengräber bei Meidum.
POLITISCH: Vervollkommnung der Zentralverwaltung. Deren
Leiter ist der Wesir. |
| um 2475 – 2160 |
5. – 8. Dynastie |
Sahure, Unas,
Teti, Phiops I.,
Phiops II. |
KULTURELL: Sonnenkult wird Staatsreligion:
Re-Kult. Errichtung von Re-Tempeln mit Obelisken. Pyramiden
und Re-Heiligtumm bei Abousir. Blütezeitt der Reliefkunst in
den Grabbpalästen.
POLITISCH: Das Amt des Wesirs geht auf Angehörige der
königlichen Familie über. Entstehung einer Schreiber-Hierarchie.
6. bis 8. Dynstie: Die Provinzen gewinnen an Bedeutung. |
| Erste Zwischenzeit |
| um 2160 – 1994 |
9. – 11. Dynastie |
Mentuhotep I.–IV.
(Abrahams Zeit) |
KULTURELL: Außer Grabanlagen keine nennenswerte
Bautätigkeit. Ende der künstlerischen Tradition.
POLITISCH: Das Alte Reich zerfällt in selbständige Fürstentümer.
Soziale Umwälzungen: Der Mittelstand gewinnt an Einfluß. Unter
Mentuhotep I. (11. Dynastie) Einigung des Reiches. Theben wird
Residenz. |
| Mittleres Reich |
| 1994 – 1781 |
12. Dynastie |
Amenemhet I. – IV., Sesostris I. – III., Sebekneferure |
KULTURELL: Felsgräber der Gaufürsten.
Bestattung der Könige westlich von Theben. Neubelebung des Re-Kults,
danach Verschmelzung der Götter Amun und Re zu Amun-Re. Pyramiden
bei Memphis und beim Fayum. Tempel Sesostris I. in Karnak. Obelisk
Sesostris I. in Heliopolis. Blütezeit der Literatur.
POLITISCH: Stärkung des Königtums und der Zentralverwaltung.
Machterweiterung im Süden gegen die Sudanvölker. Handelsbeziehungen
zu Kreta. Feldzug nach Palästina. Erschließung Nubiens. |
| Zweite Zwischenzeit |
| 1781 – um 1550 |
13. – 17.
Dynastie |
Hyksos-Fürsten; Apophis
Sekenenre, Kamose |
KULTURELL: Kultureller Verfall. Die Hyksos
übernehmen ägyptischen Totenkult und Götter.
POLITISCH: Rascher Herrscherwechsel. Provinzfürsten gewinnen
an Macht. Um 1650 Eroberung Ägyptens durch die indoarischen
Hyksos (Nomadenvolk aus Asien). 17. Dynastie: Vertreibung der
Hyksos im Namen Gottes Amun durch die Könige von Theben. |
| 1550 – 1291 |
18. Dynastie |
Ahmose, Amenophis I., Tuthmosis I. und II., Königin
Hatschepsut, Tuthmosis III., Amenophis II., Tuthmosis III.,
Amenophis III., Amenophis IV.
(= Echnaton), Tutanchamun,
Aja (Eje), Haremhab |
KULTURELL: Amun-Re wird Reichsgott. Totenbücher
auf Papyrus als Grabbeigabe. Unter Amenophis IV.
(= Echnaton) monotheistische Verehrung der Sonne. Religiöse
Restauration unter Haremhab. Trennung von Königsgrab und Totentempel:
Gräber im Tal der Könige. Totentempel im westlich von Theben.
Totentempel der Hatschepsut bei Deir el-Bahari. Säulensaal in
Luxor. Königspalast in Theben. Tempel Thutmosis III. in Karnak.
Echnaton baut neue Residenzstadt Amarna (Amarnazeit). Blüte
der darstellenden Künste und des Kunsthandwerks. Statuen und
Sphinx der Hatschepsut, Grabreliefs, Bildnisse Echnatons, Kalksteinbüste
der Nofretete, Goldmaske und Sarkophag Tutanchamuns. Erfindung
der Wasseruhr.
POLITISCH: Einigung des Reichs. Begründung des ägyptischen
Weltreichs. Theben wird Residenz, Memphis Verwaltungszentrum.
Neuverteilung des Landbesitzes. Hatschepsut: Eroberung und Kolonisierung
von Palästina, Syrien, Nubien und Sudan. Amenophis IV. (Echnaton):
Verlegung der Residenz nach Armana. Bodenreform: Grundbesitz
geht auf Pharao über. Aja verlegt die Residenz wieder nach Theben,
sein Nachfolger Haremhab nach Memphis. |
| 1291 – 1075 |
19. – 20.
Dynastie |
Ramses I. und II.,
Sethos I. und II.,
Merenptah,
Ramses III. bis IX. |
KULTURELL: Theben bleibt Zentrum der Staatsreligion.
Großer Säulensaal im Karnaktempel. Grab Sethos I. in Abydos.
Erweiterung des Tempels in Luxor. Osiristempel in Abydos. Ramesseum
in West-Theben. Felstempel von Abu Simbel. Schlachtenreliefs
und Monumentalfiguren. Granitstatue Ramses II. Tempelanlage
Ramses III. in Medinet Habu. Wandmalereien.
POLITISCH: Unter Sethos I. Beginn einer agressiven Außenpolitik.
Ramses II. gründet die »Ramsesstadt«, die Residenz wird. Kämpfe
gegen die in Syrien vordringenden Hethiter und gegen die Libyer.
Abwanderung jüdischer Stämme unter Moses und Aaron nach Palästina.
Unter Merenptah Einfall der »Seevölker«.
Ramses III. besiegt die »Seevölker«. Unter Ramses IV.
bis XI. innenpolitische Unruhen, die Amunpriesterschaft gewinnt
politischen Einfluß. Bürgerkrieg unter Ramses IX. und Plünderung
der Gräber in Theben. |
| Dritte Zwischenzeit |
| 1075 – 653 |
21. – 25.
Dynastie |
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KULTURELL: Kult des Apis-Stiers von Memphis
gewinnt im Volksglauben an Bedeutung. Keine bedeutende Bauwerke
und Kunstwerke mit Ausnahme der Porträtkunst. Zyklus volkstümlicher
Erzählungen. Sicherung der alten Königsmumien durch Verlegung
in die Gräber von Deir-el-Bahari.
POLITISCH: Tanis wird neue Residenz. Freundschaftliche
Beziehungen zu König Salomo von Israel.
Libysche Fürsten herrschen von Bubastis aus. Feldzug nach Palästina.
danach Herrschaft der Nubier. Assyrer dringen nach Ägypten vor
und erobern Memphis. |
| Spätzeit |
| 664 – 525 |
26. Dynastie |
Psammetich I. – III.,
Amosis II. |
KULTURELL: Nur wenige Bauten erhalten.
Blüte der Bronze und Steinplastik: streng realistisch. Baubeginn
am Vorläufer des Suezkanals. Erste Umsegelung Afrikas durch
ägyptische Flotte.
POLITISCH: Lösung von der assyrischen Hegemonie. Feldzüge
bis zum Euphrat. Niederlage gegen Nebukadnezar. Wachsender Einfluß
der Griechen. |
| 525 – 404 |
27. Dynastie |
Kambyses,
Darius I., Xerxes I. |
KULTURELL: Um 450 v. Chr. bereist der
griechische Geschichtsschreiber Herodot Ägypten.
POLITISCH: Ägypten wird persische Provinz. |
| 404 – 332 |
28. – 31.
Dynastie |
Amyrtaios, Nektanebis, Nektanebos, Artaxerxes
III.
Darius III. |
KULTURELL: Keine herausragenden Kulturleistungen.
POLITISCH: Unter Amyrtaios Aufstand gegen die Perser.
Zweite Perserherrschaft. |
| Griechische Zeit |
| 332 – 323
322 – 30 |
Dynastie der Ptolemäer |
Alexander der Große
Ptolemaios I. – XV.,
Kleopatra I. – IIV. |
KULTURELL: Gründung von Alexandria: Mittelpunkt
des griechischen Welthandels und griechischer Bildung. 282–246
Bau des Isistempels von Philae. Serapiskult. Priester Manetho
verfaßt seine Geschichte Ägyptens. 246–221 Horustempel von Edfu.
47 v. Chr.: Die große Bibliothek von Alexandria geht bei einem
Brand zugrunde.
POLITISCH: Darius III. verliert in der Schlacht bei Issos
(333) die Herrschaft über Ägypten an Alexander den Großen. Alexanders
General Ptolemaios verwaltet Ägypten und begründet die dynastie
der Ptolemäer. Hauptstadt ist Alexandria. Ab 220 Niedergang
der Ptolemäerherrschaft. Wachsender Einfluß der Römer. |
| Römische Zeit |
| 30 v. Chr. – 395
n. Chr. |
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(Datierung
von Papyrus I) |
KULTURELL: Die römische Kultur vermischt
sich mit der ägyptischen. In nachchristlicher Zeit rasche Ausbreitung
des Christentums (Zentrum: Alexandria).
POLITISCH: 30 v. Chr. wird Ägypten Kronland der römischen
Kaiser. 296 n. Chr. unter Diokletian römische Provinz. 395 n.
Chr. kommt Ägypten nach der Teilung des Römischen Reiches an
die östliche Reichshälfte. |
| Quelle:
P.M. Perspektive, Das Alte Ägypten,
(Ein Überblick: 3000 Jahre Kultur am Nil)
Mit freundlicher Genehmigung von:
Das
Alte Ägypten
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